Werner Hoffmann. – Rentenberater und Prozessbevollmächtigter.
Die Diskussion um die sogenannte „Rente mit 63“ nimmt erneut Fahrt auf. Gemeint ist heute vor allem die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Wer 45 Versicherungsjahre erfüllt, kann – je nach Geburtsjahr – früher abschlagsfrei in Rente gehen. Für Jahrgänge ab 1964 ist dies grundsätzlich mit 65 Jahren möglich.
Politisch wird über Einschränkungen, Abschaffung sowie Übergangs- und Härtefallregelungen diskutiert. Dabei wird ein wichtiger Punkt bislang kaum beachtet:
Was passiert mit bereits bestehenden Altersteilzeitverträgen?
Viele Unternehmen nutzen das Blockmodell, zum Beispiel 3 Jahre Aktivphase plus 3 Jahre Passivphase. Die Verträge sind häufig so gestaltet, dass am Ende unmittelbar eine Altersrente beginnt.
Das kann die Altersrente für langjährig Versicherte mit Abschlägen oder die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Jahren sein.
Genau hier kann eine Reform problematisch werden.
Beispiel: Die Altersteilzeit endet mit 65. Nach heutiger Rechtslage soll anschließend die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren beginnen. Wird das Zugangsalter später angehoben, kann eine Versorgungslücke entstehen.
Denn ein Altersteilzeitvertrag verlängert sich nicht automatisch, nur weil sich das Rentenrecht ändert. Maßgeblich sind der konkrete Vertrag, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung.
Die Altersteilzeit kann also enden, obwohl die eingeplante Rente noch nicht beginnen darf.
Das ist besonders kritisch, weil Beschäftigte ihre Lebens- und Finanzplanung oft Jahre vorher darauf ausgerichtet haben. Auch Arbeitgeber planen entsprechend.
Deshalb genügt ein allgemeiner Hinweis auf Vertrauensschutz nicht. Es muss geprüft werden, ob bereits abgeschlossene Altersteilzeitverträge ausdrücklich geschützt werden, wenn sie auf den bisherigen Rentenbeginn nach 45 Versicherungsjahren ausgerichtet wurden.
Wer dagegen ohnehin den Übergang in die Altersrente für langjährig Versicherte mit Abschlägen geplant hat, wäre von einer Änderung der 45-Jahres-Rente nicht automatisch betroffen.
Bei jeder Reform der Rente nach 45 Versicherungsjahren muss die Altersteilzeit mitgedacht werden. Sonst kann aus einer Rentenreform für manche Beschäftigte eine echte Renten- und Versorgungslücke entstehen.
Hinweis: Die verwendeten Bilder wurden mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dienen ausschließlich der Illustration. Dargestellte Personen, Situationen und Dokumente sind symbolisch und stehen nicht für konkrete Einzelfälle.
Die Diskussion über eine mögliche Reform der sogenannten „Rente mit 63“ nimmt Fahrt auf. Die Bezeichnung ist allerdings verkürzt: Für Versicherte des Jahrgangs 1964 und jünger liegt die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte grundsätzlich bei 65 Jahren. Voraussetzung sind 45 Jahre Wartezeit.
Diese Altersrente kann nicht mit Abschlägen vorzeitig in Anspruch genommen werden.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat im Zusammenhang mit möglichen Änderungen einen Vertrauensschutz für rentennahe Jahrgänge angesprochen. Auch eine Übergangsregelung von etwa fünf Jahren wird als mögliche Variante diskutiert. Ob und in welcher Form eine solche Regelung kommt, ist derzeit offen.
Doch würden fünf Jahre ausreichen?
Nehmen wir an, eine Rentenreform tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft. Dann stellt sich die Frage, wie Menschen geschützt werden, die ihre berufliche Zukunft bereits verbindlich nach dem bis dahin geltenden Rentenrecht geplant haben.
Altersteilzeit zeigt das Problem
Ein Beispiel ist die Altersteilzeit im Blockmodell:
3 Jahre Arbeitsphase + 3 Jahre Freistellungsphase = 6 Jahre.
Zunächst wird drei Jahre gearbeitet, anschließend folgen drei Jahre Freistellung. Häufig ist vorgesehen, dass unmittelbar danach eine Altersrente beginnt.
Schließt ein Arbeitnehmer noch 2026 einen solchen Vertrag und ist ein Rentenbeginn im Jahr 2032 vorgesehen, hat er seine berufliche und finanzielle Planung für sechs Jahre festgelegt.
Ändert der Gesetzgeber zum 1. Januar 2027 das Rentenrecht und gilt der Vertrauensschutz nur fünf Jahre, könnte eine Lücke entstehen:
6 Jahre Altersteilzeit – aber möglicherweise nur 5 Jahre Vertrauensschutz.
Wie sieht das bei den drei Altersrenten aus?
Beispiel 1 – Schwerbehindertenrente
Für Versicherte ab Jahrgang 1964:
Rentenbeginn: frühestens mit 62 Jahren Wartezeit: 35 Jahre Abschlag mit 62: 10,8 % Schwerbehinderung: GdB mindestens 50 bei Rentenbeginn
Bei sechs Jahren Altersteilzeit:
Alter 56 → Beginn Altersteilzeit 56–59 → Arbeitsphase 59–62 → Freistellungsphase 62 → Rentenbeginn mit Abschlag
➡️ Planungszeitraum: 6 Jahre
Beispiel 2 – Rente für langjährig Versicherte
Für Versicherte ab Jahrgang 1964:
Rentenbeginn: frühestens mit 63 Jahren Wartezeit: 35 Jahre Abschlagsfrei: mit 67 Jahren Abschlag mit 63: 14,4 %
Bei sechs Jahren Altersteilzeit:
Alter 57 → Beginn Altersteilzeit 57–60 → Arbeitsphase 60–63 → Freistellungsphase 63 → Rentenbeginn mit 14,4 % Abschlag
➡️ Planungszeitraum: 6 Jahre
Beispiel 3 – Rente für besonders langjährig Versicherte
Für Versicherte ab Jahrgang 1964:
Rentenbeginn: mit 65 Jahren Wartezeit: 45 Jahre Abschlag: keiner Vorzeitiger Beginn: nicht möglich
Bei sechs Jahren Altersteilzeit:
Alter 59 → Beginn Altersteilzeit 59–62 → Arbeitsphase 62–65 → Freistellungsphase 65 → abschlagsfreier Rentenbeginn
➡️ Planungszeitraum: 6 Jahre
Drei Renten – ein mögliches Vertrauensschutzproblem
Damit lässt sich der Unterschied auf einen Blick erkennen:
Schwerbehindertenrente: 56 → 3 Jahre Arbeit → 3 Jahre Freistellung → Rente mit 62
Langjährig Versicherte: 57 → 3 Jahre Arbeit → 3 Jahre Freistellung → Rente mit 63
Besonders langjährig Versicherte: 59 → 3 Jahre Arbeit → 3 Jahre Freistellung → Rente mit 65
Bei allen drei Beispielen beträgt der Planungszeitraum sechs Jahre.
Deshalb könnte ein Vertrauensschutz von lediglich fünf Jahren für bereits bestehende Altersteilzeitverträge zu kurz sein.
Rechtlich folgt daraus allerdings nicht automatisch, dass ein Anspruch auf die bisherige Rechtslage besteht. Wie der Vertrauensschutz ausgestaltet wird, müsste der Gesetzgeber ausdrücklich regeln.
Besser wäre ein gezielter Bestandsschutz
Statt lediglich eine pauschale Übergangsfrist nach Geburtsjahrgängen festzulegen, könnte der Gesetzgeber bereits abgeschlossene Altersteilzeitverträge besonders berücksichtigen.
Beispielsweise könnte geregelt werden:
Wer bis zum 31. Dezember 2026 einen rechtswirksamen Altersteilzeitvertrag abgeschlossen hat und dessen Vertragsgestaltung auf einen Rentenbeginn nach den bisherigen Vorschriften ausgerichtet ist, erhält für diesen Übergangsfall besonderen Schutz.
Damit würden gezielt Menschen berücksichtigt, die vor der Gesetzesänderung verbindliche und nur schwer rückgängig zu machende Entscheidungen getroffen haben.
Diese Regelung wäre aus meiner Sicht auch eher verfassungskonform.
Meine Einschätzung
Vertrauensschutz kann sinnvoll sein. Ob fünf Jahre ausreichen, hängt von der konkreten Übergangsregelung ab.
Wer einen sechsjährigen Altersteilzeitvertrag unterschrieben hat, hat seine berufliche und finanzielle Lebensplanung auf das zu diesem Zeitpunkt geltende Rentenrecht ausgerichtet.
Deshalb sollte eine Rentenreform nicht ausschließlich auf Geburtsjahrgänge schauen. Berücksichtigt werden sollte auch:
Wer hat vor der Reform bereits verbindliche und kaum noch umkehrbare Entscheidungen getroffen?
Bei einem 3+3-Altersteilzeitmodell wäre ein Schutz, der die gesamten sechs Jahre bis zum geplanten Rentenbeginn abdeckt, nachvollziehbar. Noch gezielter wäre ein ausdrücklich geregelter Bestandsschutz für bereits abgeschlossene Altersteilzeitverträge.
Welche Regelung tatsächlich beschlossen wird, steht derzeit nicht fest. Entscheidend wird der konkrete Gesetzestext sein.
Hinweis: Bilder wurden mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. Sie dienen ausschließlich der Illustration und stellen keine realen Ereignisse oder Personen dar.
So ist insbesondere der Vergleich 56→62 / 57→63 / 59→65 wesentlich schneller erfassbar.
Werner Hoffmann.
– Rentenberater (RDG).
www.Renten-experte.de
Wer arbeitet, zahlt Rentenbeiträge. Wer Einnahmen aus Zinsen, Dividenden oder Vermietung erzielt, soll darauf auch künftig keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen. An diesem Grundprinzip will die Rentenkommission festhalten.
In ihren 33 Vorschlägen zur Alterssicherung empfiehlt sie, Rentenbeiträge weiterhin grundsätzlich auf Löhne, Gehälter und beitragspflichtiges Arbeitseinkommen zu beschränken. Mieteinnahmen, Zinsen, Dividenden und andere Kapitalerträge sollen außen vor bleiben.
Auch die Beitragsbemessungsgrenze soll bleiben
Die Kommission will an der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) festhalten. Eine deutliche Erhöhung könnte zunächst Mehreinnahmen bringen, später aber auch höhere Rentenansprüche und damit höhere Ausgaben erzeugen.
Auch am einheitlichen Beitragssatz soll festgehalten werden. Unterschiedliche Beitragssätze etwa nach Einkommen oder Kinderzahl empfiehlt die Kommission nicht.
Wichtig: Die 33 Punkte sind Empfehlungen und noch kein geltendes Recht. Über die Umsetzung entscheidet der Gesetzgeber.
Meine persönliche Einschätzung
Mieteinnahmen bei der Beitragsfestsetzung außen vor zu lassen, halte ich für vernünftig. Eine zusätzliche Belastung von Vermietern könnte zumindest teilweise auf die Mieten überwälzt werden und damit Mieter zusätzlich belasten.
Anders sehe ich dies bei Kapitalerträgen. Meines Erachtens sollte darüber diskutiert werden, diese künftig stärker in die Finanzierung der Alterssicherung einzubeziehen. Auch die Beibehaltung der bisherigen Beitragsbemessungsgrenze halte ich für diskussionswürdig.
Darüber hinaus stellt sich eine wichtige Zukunftsfrage: Wie finanzieren wir die gesetzliche Rentenversicherung, wenn Künstliche Intelligenz menschliche Arbeit ersetzt?
In der Vergangenheit wurde bereits über eine Maschinensteuer diskutiert. Angesichts der rasanten KI-Entwicklung sollte meines Erachtens geprüft werden, ob eine „KI-Abgabe“ oder vergleichbare Finanzierungsform sinnvoll wäre.
Wenn Unternehmen durch KI menschliche Arbeitsleistung ersetzen und dadurch beitragspflichtige Beschäftigung wegfällt, könnten der Rentenversicherung Beitragseinnahmen verloren gehen. Eine KI-Abgabe könnte einen Teil möglicher Einnahmeausfälle ausgleichen.
Natürlich müsste geklärt werden, wie sie ausgestaltet wird, wer sie zahlt und wie Doppelbelastungen vermieden werden.
Wenn KI unsere Arbeitswelt grundlegend verändert, müssen wir auch darüber diskutieren, ob eine überwiegend an menschliche Erwerbsarbeit gekoppelte Finanzierung der Rentenversicherung langfristig noch ausreicht.
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Die geplanten Veränderungen im deutschen Rentensystem sorgen bei vielen Arbeitnehmern für Verunsicherung.
Fragen zur Regelaltersrente, zur Rente mit 63, zu möglichen Abschlägen, zur betrieblichen Altersversorgung und zu den Auswirkungen der geplanten Rentenreform beschäftigen derzeit Millionen Beschäftigte.
Genau aus diesem Grund biete ich ab September 2026 spezielle Vorträge und Informationsveranstaltungen in Unternehmen, Verwaltungen, Verbänden und Vereinen an.
Vortrag Rentenreform und Auswirkungen und strategische Planung der eigenen Rente durch Werner Hoffmann. – Unabhängiger Rentenberater (RDG)
Ziel dieser Veranstaltungen ist es, die geplanten Reformen verständlich zu erklären und aufzuzeigen, welche Folgen sich daraus für unterschiedliche Arbeitnehmergruppen ergeben können.
Darüber hinaus besteht für Arbeitgeber die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern eine individuelle Rentenberatung direkt im Betrieb anzubieten.
Als unabhängiger Rentenberater nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) kann ich für einzelne Beschäftigte persönliche Rentenberechnungen erstellen und individuelle Strategien zur Altersvorsorge entwickeln.
Dabei werden unter anderem folgende Fragen beantwortet:
Wann kann ich frühestens in Rente gehen?
Welche Abschläge drohen?
Wie hoch wird meine voraussichtliche Altersrente sein?
Lohnt sich eine freiwillige Beitragszahlung?
Welche Rolle spielen Betriebsrente und private Vorsorge?
Für Arbeitgeber stellt dieses Angebot eine besondere Form der betrieblichen Sozialleistung dar. Die Kosten können vom Unternehmen übernommen werden, während die Beschäftigten von einer unabhängigen und persönlichen Beratung profitieren.
Vortrag Rentenreform, Auswirkungen und strategische Planung der eigenen Rente durch Werner Hoffmann.
– Unabhängiger Rentenberater (RDG).
Gerade in Zeiten einer bevorstehenden Rentenreform wird es immer wichtiger, rechtzeitig Klarheit über die eigene finanzielle Zukunft zu erhalten. Wer frühzeitig plant, kann bessere Entscheidungen treffen und finanzielle Nachteile vermeiden.
Unternehmen, Vereine, Verbände und öffentliche Einrichtungen können bereits jetzt Termine für Vorträge und Beratungstage ab September 2026 reservieren.
Die verwendeten Bilder wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Sie dienen ausschließlich der symbolischen Darstellung und zeigen keine dokumentarischen Aufnahmen tatsächlicher Ereignisse.
Werner Hoffmann. – Rentenberater und Prozessbevollmächtigter.
Am 23. Juni 2026 will die Bundesregierung den Abschlussbericht der Rentenkommission entgegennehmen. Bereits vor der offiziellen Übergabe zeichnet sich ab, dass innerhalb der Kommission ein überraschend großer Konsens beim Thema Frühverrentung besteht.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen künftig länger im Erwerbsleben gehalten werden können. Hintergrund ist die demografische Entwicklung: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in Rente, während gleichzeitig weniger junge Arbeitnehmer in das System nachrücken.
Besonders intensiv diskutiert wird die Zukunft der Rente mit 63. Viele Experten sehen darin einen wichtigen Baustein für Beschäftigte mit langen Versicherungszeiten. Andere befürchten dagegen steigende Belastungen für die Rentenkassen und einen zunehmenden Fachkräftemangel.
Nach Medienberichten wurden auch neue Anreize für einen späteren Renteneintritt diskutiert. Wer freiwillig länger arbeitet, könnte künftig stärkere finanzielle Vorteile erhalten. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, ob Frühverrentungen künftig stärker eingeschränkt werden sollen.
Für Aufsehen sorgten zuletzt Berichte über eine mögliche Rente mit 70. Offizielle Beschlüsse dazu gibt es bislang nicht. Dennoch zeigt die Debatte, in welche Richtung einige Reformüberlegungen gehen: längere Lebensarbeitszeiten und eine stärkere Orientierung an der steigenden Lebenserwartung.
Kritiker warnen jedoch davor, dass eine pauschale Anhebung des Rentenalters viele Menschen benachteiligen würde. Während Büroangestellte oft länger arbeiten können, stoßen Beschäftigte in körperlich belastenden Berufen häufig schon deutlich früher an ihre gesundheitlichen Grenzen.
Dabei wird oft vergessen, dass die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung nicht allein vom Renteneintrittsalter abhängt. Ebenso wichtig sind die Zahl der Beitragszahler, die Entwicklung der Löhne, die Beschäftigungsquote sowie politische Entscheidungen über die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen.
Deshalb fordern zahlreiche Sozialwissenschaftler und Rentenexperten eine breitere Finanzierungsbasis. Diskutiert werden unter anderem die stärkere Einbeziehung von Selbstständigen, langfristig auch von Beamten, sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer.
Welche konkreten Empfehlungen die Rentenkommission tatsächlich vorlegen wird, erfahren wir am 23. Juni 2026. Schon jetzt ist jedoch klar: Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rente wird danach erst richtig beginnen.
Für Versicherte gilt deshalb mehr denn je: Wer seine persönliche Rentenstrategie frühzeitig plant und bestehende Ansprüche rechtzeitig prüfen lässt, kann auf mögliche Veränderungen deutlich besser reagieren als jemand, der sich erst kurz vor dem Rentenbeginn mit dem Thema beschäftigt.
Werner Hoffmann. Unabhängiger Rentenberater (RDG).
Die Alterssicherungskommission hat ihren Abschlussbericht an die Bundesregierung übergeben – und die Deutsche Rentenversicherung bewertet die Vorschläge insgesamt positiv.
Klar ist: Wenn die Politik diese Empfehlungen umsetzt, könnte sich das deutsche Rentensystem in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Die Kommission hat 33 Empfehlungen vorgelegt. Aus Sicht der Rentenversicherung bilden sie ein Gesamtpaket, das die gesetzliche Rente langfristig finanzierbar und generationengerecht machen soll.
Besonders wichtig: Die gesetzliche, umlagefinanzierte Rente soll auch künftig die tragende Säule der Alterssicherung bleiben.
Ein zentraler Vorschlag ist eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild. Sie soll für gesetzlich Rentenversicherte gelten und vor allem jüngeren Generationen langfristig zusätzliche Altersleistungen ermöglichen.
Auch das Renteneintrittsalter steht im Fokus. Es soll künftig stärker an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Nach den Berechnungen der Kommission könnte die Regelaltersgrenze zwischen 2031 und 2041 schrittweise von 67 auf etwa 67,5 Jahre steigen.
Gleichzeitig sollen vorgezogene Altersrenten grundsätzlich nur noch mit Abschlägen möglich sein – Härtefälle ausgenommen.
Ein weiterer Punkt: Bisher nicht abgesicherte Selbstständige sollen künftig verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Damit könnten Versorgungslücken geschlossen und der Schutz bei Erwerbsminderung verbessert werden.
Neu ist auch der Blick auf das Gesamtversorgungsniveau. Künftig sollen gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge gemeinsam betrachtet werden. Als politische Zielgröße nennt die Kommission ein Netto-Gesamtversorgungsniveau von mindestens 70 Prozent.
Meine Einschätzung: Die Vorschläge enthalten viele Punkte, über die noch intensiv gestritten werden dürfte. Positiv ist das klare Bekenntnis zur gesetzlichen Rentenversicherung als wichtigster Säule der Alterssicherung.
Aber: Noch handelt es sich nicht um beschlossene Gesetze, sondern um Empfehlungen einer Expertenkommission. Jetzt liegt der Ball bei der Bundesregierung und beim Gesetzgeber.
Die Vorschläge der Rentenkommission sorgen derzeit für intensive Diskussionen. Dabei geht es nicht nur um die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern vor allem um eine entscheidende Frage: Können sich die Menschen auch künftig auf die geltenden Rentenregeln verlassen?
Wer jahrzehntelang gearbeitet, Beiträge gezahlt und seine Lebensplanung auf die bestehenden gesetzlichen Regelungen aufgebaut hat, erwartet zu Recht Verlässlichkeit und Vertrauensschutz. Werden Rentenzugänge oder Altersgrenzen kurzfristig geändert, trifft das besonders Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen und ihre Vorsorge kaum noch anpassen können.
Positiv ist, dass die Rentenkommission nicht mehr ausschließlich über Beitragssatz, Rentenniveau und Renteneintrittsalter diskutiert. Der demografische Wandel lässt sich nicht mit einer einzigen Maßnahme bewältigen. Genauso wichtig ist die Frage, wie die Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig gesichert werden können.
Seit Jahren wird vorgeschlagen, die Finanzierungsbasis zu verbreitern – etwa durch die stärkere Einbeziehung von Selbstständigen, Beamten, Abgeordneten und weiteren Einkommensarten. Diese Ansätze verdienen eine ernsthafte und ergebnisoffene Diskussion.
Noch wichtiger ist jedoch der Blick in die Zukunft. Durch Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik werden in vielen Bereichen künftig weniger Arbeitnehmer benötigt. Gleichzeitig entstehen dadurch erhebliche Produktivitäts- und Wertschöpfungsgewinne. Wenn Maschinen und KI einen immer größeren Teil der wirtschaftlichen Leistung erbringen, stellt sich die berechtigte Frage, ob die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung dauerhaft fast ausschließlich auf Arbeitseinkommen beruhen sollte.
Ebenso sollte offen darüber diskutiert werden, Kapitalerträge stärker in die Finanzierung einzubeziehen. Auch Vermögen, Dividenden und andere Kapitalerträge schaffen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Eine breitere Finanzierungsbasis könnte das Umlageverfahren langfristig stabilisieren und die Beitragslast gerechter verteilen.
Die eigentliche Zukunftsfrage lautet deshalb: Soll die gesetzliche Rentenversicherung auch künftig überwiegend aus Arbeitseinkommen finanziert werden – oder sollten alle Formen der Wertschöpfung einen angemessenen Beitrag leisten?
Ebenso wichtig bleibt der Vertrauensschutz: Wer jahrzehntelang Beiträge gezahlt und seine Lebensplanung auf die geltenden Regeln aufgebaut hat, muss sich darauf verlassen können.
Reformen sind notwendig – aber fair, transparent und mit einem wirksamen Vertrauensschutz.
Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rente gewinnt weiter an Dynamik. Nach aktuellen Berichten bringt sich nun die Deutsche Bundesbank als möglicher Verwalter eines staatlichen Rentenfonds ins Gespräch. Ziel wäre eine langfristige Kapitalanlage, deren Erträge künftig zur Finanzierung der Altersvorsorge beitragen könnten.
Hintergrund ist der demografische Wandel. Immer mehr Rentner stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber. Deshalb wird diskutiert, das bisherige System durch einen staatlichen Kapitalfonds zu ergänzen.
[Bild 2 – Das Umlageverfahren hat Zukunft]
Ein solcher Fonds kann durchaus Vorteile bieten. Langfristig erzielten breit gestreute Kapitalanlagen historisch häufig höhere Renditen als klassische Zinspapiere. Gleichzeitig könnten die Verwaltungskosten geringer sein als bei vielen privaten Vorsorgeprodukten.
Dabei wird jedoch häufig ein entscheidender Punkt übersehen: Das Umlageverfahren ist keineswegs überholt.
Oft wird das Umlageverfahren auf die einfache Formel reduziert: Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber von heute finanzieren die Renten der heutigen Rentner. Weil die Zahl der Arbeitnehmer sinkt, müsse das System zwangsläufig scheitern.
Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz.
Nicht das Umlageverfahren ist das eigentliche Problem, sondern die politische Ausgestaltung der Finanzierung. Der Kreis der Beitragszahler könnte deutlich erweitert werden. Denkbar wäre beispielsweise, dass neben Arbeitnehmern und Arbeitgebern auch Selbstständige, Beamte, Abgeordnete sowie Personen mit Kapitalerträgen stärker in die Finanzierung einbezogen werden.
Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass eine breitere Finanzierungsbasis möglich ist. Dort werden – je nach Einkunftsart – deutlich mehr Einkommensarten in die Finanzierung der Altersvorsorge einbezogen. Dadurch verteilt sich die Finanzierung auf deutlich mehr Schultern.
Meine Bewertung als Rentenberater:
Ein staatlicher Rentenfonds kann eine sinnvolle Ergänzung der gesetzlichen Rentenversicherung sein. Er sollte jedoch nicht als Ersatz des Umlageverfahrens verstanden werden.
Das Umlageverfahren besitzt große Stärken: Es schützt vor den Risiken der Kapitalmärkte, finanziert laufende Renten unabhängig von Börsenentwicklungen und sorgt für einen kontinuierlichen Generationenausgleich.
Entscheidend ist deshalb nicht die Abschaffung des Umlageverfahrens, sondern seine Weiterentwicklung durch eine breitere und gerechtere Finanzierung.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Umlageverfahren oder Kapitalmarkt? Sondern: Wie lassen sich beide Systeme sinnvoll miteinander verbinden, um die Rente langfristig zu sichern?
Werner Hoffmann. -Rentenberater, Betriebswirt für betriebliche Altersversorgung (FH) und Generationenberater.
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Kaum ein anderer Ökonom prägt die Debatte über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung so stark wie Bernd Raffelhüschen. Seit vielen Jahren fordert er ein höheres Renteneintrittsalter, mehr private und betriebliche Altersvorsorge sowie eine stärkere Kapitaldeckung.
Seine Begründung: Der demografische Wandel mache das heutige Rentensystem auf Dauer unbezahlbar.
Doch ist das wirklich die einzige Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft?
Raffelhüschen fordert tiefgreifende Reformen
Nach seiner Auffassung reichen die derzeit diskutierten Reformen bei weitem nicht aus. Besonders kritisch sieht er die sogenannte doppelte Haltelinie – also den politischen Versuch, gleichzeitig das Rentenniveau zu stabilisieren und den Beitragssatz zu begrenzen.
Auch den Nachhaltigkeitsfaktor, der die Rentenanpassung stärker an die demografische Entwicklung koppeln sollte, hält er für unverzichtbar.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Vorschläge ist die Ausweitung kapitalgedeckter Altersvorsorge. Staatliche Kapitalfonds beurteilt er eher zurückhaltend. Stattdessen setzt er seit Jahren auf private und betriebliche Vorsorge.
Warum eine Einordnung wichtig ist
Gerade weil Bernd Raffelhüschen seit Jahrzehnten die Rentendebatte beeinflusst, lohnt sich ein Blick auf sein berufliches Umfeld.
Der häufig erhobene Vorwurf, sein Universitätslehrstuhl sei von Versicherungen finanziert worden, ist nicht zutreffend. Der Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Universität Freiburg war eine staatlich finanzierte Professur.
ABER:
Daneben gründete und leitete Raffelhüschen das Forschungszentrum Generationenverträge (FZG). Dieses erhielt über einen Förderverein zusätzliche finanzielle Unterstützung. Zu den veröffentlichten Förderern gehörten unter anderem die Augustinum gGmbH, die Union Asset Management Holding AG sowie der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV).
Öffentlich dokumentiert sind außerdem zahlreiche weitere Tätigkeiten außerhalb der Universität. Dazu gehören unter anderem Funktionen bei ERGO und Union Investment, seine Tätigkeit als Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft, seine Rolle als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sowie Vorträge und Gutachten für Unternehmen und Verbände der Finanz- und Versicherungswirtschaft.
Sie zeigen, dass seine rentenpolitischen Positionen im Zusammenhang mit einem langjährigen beruflichen Umfeld stehen, in dem Fragen der privaten Altersvorsorge eine bedeutende Rolle spielen.
Aus meiner Sicht gehört diese Transparenz zu einer vollständigen Einordnung.
Kapitaldeckung kostet ebenfalls Geld
In der öffentlichen Diskussion wird häufig der Eindruck vermittelt, eine kapitalgedeckte Altersvorsorge sei automatisch wirtschaftlicher als das gesetzliche Umlageverfahren.
Dabei wird oft übersehen, dass auch private Vorsorgeprodukte erhebliche Kosten verursachen können.
Während die Verwaltungskosten der gesetzlichen Rentenversicherung zwischen etwa 1 und 1,5 % liegen, sind die Kosten privater Vorsorgeprodukte regelmäßig deutlich höher.
Diese Kosten mindern langfristig die Rendite.
Wer daher eine stärkere Kapitaldeckung fordert, sollte nicht nur mögliche Renditechancen darstellen, sondern auch die Verwaltungs-, Vertriebs- und Produktkosten offen benennen.
Ist das Umlageverfahren wirklich das Problem?
Raffelhüschen sieht den demografischen Wandel als Hauptproblem des Umlageverfahrens.
Dabei wird häufig übersehen, dass ein Umlagesystem nicht allein von der Anzahl der Beitragszahler, sondern vor allem von seiner Finanzierungsgrundlage abhängt.
Unsere Wirtschaft verändert sich rasant. Digitalisierung, Robotik und Künstliche Intelligenz erhöhen die Produktivität vieler Unternehmen erheblich. Gleichzeitig sinkt in manchen Bereichen der Bedarf an menschlicher Arbeitskraft.
Deshalb stellt sich die politische Frage, ob künftig nicht auch weitere Wertschöpfungsquellen zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme beitragen sollten.
Diskutiert werden könnten beispielsweise die stärkere Einbeziehung weiterer Selbstständiger und bislang versicherungsfreier Personengruppen oder neue Finanzierungsmodelle, bei denen Gewinne aus Robotik, Automatisierung oder Künstlicher Intelligenz einen Beitrag leisten.
Ob dies über Sozialversicherungsbeiträge, Abgaben oder Steuern erfolgt, wäre letztlich eine politische Entscheidung.
Neu wäre dieser Gedanke keineswegs. Bereits vor Jahrzehnten wurde in Deutschland über eine sogenannte Maschinensteuer diskutiert.
Mein Fazit
Bernd Raffelhüschen hat die Rentendebatte über viele Jahre geprägt und wichtige Denkanstöße geliefert.
ABER!
Es gibt auch eine andere Sichtweise.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie lange müssen wir künftig arbeiten?
Die eigentliche Frage lautet: Wer finanziert den Sozialstaat von morgen?
Wenn Roboter, Künstliche Intelligenz und automatisierte Systeme immer größere Teile der Wertschöpfung übernehmen, dann sollte auch über neue Finanzierungsmodelle für die sozialen Sicherungssysteme gesprochen werden.
Warum soll allein der Faktor Arbeit die Renten finanzieren, wenn ein immer größerer Teil der Wirtschaftsleistung künftig von Maschinen und KI erbracht wird?
Langfristig könnten deshalb nicht nur weitere Selbstständige und bisher versicherungsfreie Personengruppen einbezogen werden. Auch Gewinne aus Künstlicher Intelligenz, Robotik und automatisierter Wertschöpfung könnten künftig einen Beitrag zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme leisten – unabhängig davon, ob dies über Beiträge, Abgaben oder Steuern erfolgt.
Vielleicht braucht Deutschland deshalb nicht nur eine Rentenreform – sondern ein völlig neues Verständnis davon, wie ein moderner Sozialstaat im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz finanziert werden kann.
Genau darüber sollten wir endlich offen diskutieren.
Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte gehört zu den bekanntesten Regelungen der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer 45 Versicherungsjahre erreicht, kann derzeit vor der regulären Altersgrenze abschlagsfrei in Rente gehen.
Genau diese Regelung steht nun zur Diskussion.
Die Rentenkommission empfiehlt, den abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Gleichzeitig soll künftig keine neue Regelung geschaffen werden, die einen Renteneintritt allein aufgrund der Anzahl der Beitragsjahre ermöglicht.
Für Millionen Arbeitnehmer wäre dies ein erheblicher Einschnitt.
Viele Beschäftigte haben bereits mit 16 oder 17 Jahren eine Ausbildung begonnen, jahrzehntelang Beiträge gezahlt und oftmals körperlich oder psychisch belastende Tätigkeiten ausgeübt. Gerade für diese Menschen wurde die Rente nach 45 Versicherungsjahren geschaffen.
Aus meiner Sicht als Rentenberater ist dieser Vorschlag kritisch zu bewerten.
Wer mit 16 Jahren ins Berufsleben eintritt, hat häufig bereits mehr als vier Jahrzehnte gearbeitet. Die Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren würde deshalb vor allem diejenigen treffen, die besonders lange Beiträge gezahlt haben.
Hinzu kommt: Die Regelaltersgrenze soll künftig weiter steigen. Viele Arbeitnehmer müssten dadurch nicht nur länger arbeiten, sondern würden zusätzlich die Möglichkeit verlieren, nach 45 Versicherungsjahren abschlagsfrei in den Ruhestand zu wechseln.
Ob sich die Sozialversicherungssysteme damit tatsächlich einen Gefallen tun, erscheint fraglich. Längere Lebensarbeitszeiten könnten zu höheren Krankheitszeiten führen. Auch Arbeitslosigkeit im höheren Erwerbsalter darf nicht unterschätzt werden.
Noch handelt es sich um Empfehlungen. Ob die Politik diesen Vorschlägen folgt, ist offen. Die Diskussion über die Zukunft der Rente nach 45 Beitragsjahren hat jedoch begonnen.
Da erst nach der Sommerpause die gesetzlichen Regelungen ins Parlament kommen, ist es empfehlenswert bereits jetzt strategische Beratungen bei einem Rentenberater in Anspruch zu nehmen.
Ob verfassungsrechtlich eine Übergangsfrist von 2 bis 4 Jahren eingebunden wird, ist offen.