Ein Beitrag von

Werner Hoffmann
Altweiber-Fasnacht, Donnerstag, 14. Februar 1985 – und ausgerechnet auch noch Valentinstag.
Während andere Blumen verschenkten und romantische Pläne schmiedeten, hatte ich schlicht einen langen Arbeitstag hinter mir.

Und das Wichtigste: Ich dachte an diesem Tag überhaupt nicht daran, dass Altweiber-Fasnacht war. Für mich war es einfach nur ein normaler Donnerstag.
Trotz Müdigkeit ging ich abends noch in eine Diskothek. Freunde treffen, Musik, ein paar Gespräche – einfach abschalten. Ich trug eine Krawatte. Damals ganz selbstverständlich, wie es eben in den 80ern oft war. Heute wirkt das fast wie ein Kleidungsstück aus einer anderen Zeit.
Mitten im Trubel passierte es. Plötzlich spürte ich von hinten einen Ruck.

Im selben Moment fuhr ich reflexartig mit der linken Hand an meine Krawatte – genau in dem Augenblick, als hinter mir jemand mit einer Schere ansetzte, sie abzuschneiden. Ein typischer Altweiber-Brauch. Nur: Ich hatte nicht damit gerechnet. Überhaupt nicht.

Dann der Schnitt. Ein kurzer Schmerz. Und sofort: Blut. Viel Blut. So viel, dass es aussah, als hätte man mir den halben Finger, ja fast den halben Daumen abgetrennt. Die Musik lief weiter, aber für mich war alles wie eingefroren. Die Frau hinter mir wurde kreidebleich, starrte auf meine Hand – und begann zu weinen. Sie war völlig geschockt, weil aus einem Spaß plötzlich bitterer Ernst geworden war.
Zwischen Tanzfläche, Karnevalsstimmung und Konfetti entstand auf einmal eine Szene, die nicht in diese Nacht passte: hektische Blicke, Taschentücher, Entsetzen. Valentinstag einmal anders – statt Rosen gab es Panik.

Zum Glück stellte sich später heraus: Es sah dramatischer aus, als es tatsächlich war. Aber der Schreck saß tief – bei ihr und bei mir. Heute, 41 Jahre später, kann ich darüber schmunzeln, weil sich die Zeiten so verändert haben. Kaum jemand trägt noch Krawatten. Und damit gibt es auch kaum noch Chancen, sie an Altweiber abzuschneiden.
Vielleicht kommt die Krawatte ja in 20 Jahren wieder zurück. Mode ist zyklisch. Bis dahin muss man sich nur überlegen, ob man sie aufbewahrt – am besten ordentlich, vielleicht sogar in einem Krawattenkarussell.

Und wenn ich heute doch noch eine Krawatte sehe, denke ich kurz an diese Disco-Nacht: Musik, Blut, ein weinender Schreckmoment – und daran, wie ein „ganz normaler Donnerstag“ sich plötzlich als Altweiber-Fasnacht entpuppte.
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