„Um 4.50 Uhr fahren sie schon längst zur Arbeit“

Ein Beitrag von

Janina Bessenich. Caritas.
Janina Bessenich.

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Berlin, 5. Mai, 7.05 Uhr morgens. Ein Bus fährt durch die Hauptstadt. Menschen sitzen müde auf ihren Plätzen, manche schauen aus dem Fenster, andere trinken ihren ersten Kaffee. Eine alltägliche Szene in einer Stadt, die von Vielfalt und Arbeit lebt.

Neben mir sitzt eine ältere Dame. Sie schaut sich um und sagt:
„Schauen Sie sich an, wer hier zur Arbeit fährt!“

Ich frage:
„Was meinen Sie?“

Sie antwortet:
„Alle Menschen hier fahren zur Arbeit, aber die Migranten schlafen noch.“

Ein Satz voller Vorurteile. Ein Satz über Menschen, deren Alltag sie gar nicht kennt.

Ich frage sie:
„Sind Sie schon einmal um 4.50 Uhr mit dem Bus gefahren?“

Sie schaut erstaunt. Dann sage ich:
„Nehmen Sie einmal den Bus Richtung Hauptbahnhof um 4.50 Uhr. Dort sitzen viele Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, die längst auf dem Weg zur Arbeit sind.“

Viele reinigen Büros, arbeiten in Krankenhäusern, fahren Bus, backen Brot oder liefern Waren aus. Während viele Menschen noch schlafen, beginnt für sie der Arbeitstag bereits mitten in der Nacht.

Ich ergänze:
„Vielleicht hat sogar unser Busfahrer vorne einen Migrationshintergrund. Haben Sie ihn gesehen?“

Es wird still.

Denn Vorurteile entstehen oft dort, wo Menschen nur ihren kleinen Ausschnitt der Realität sehen. Wer erst um 7 Uhr morgens unterwegs ist, sieht nicht die Reinigungskräfte, Pflegekräfte, Bauarbeiter oder Fahrer, die bereits seit Stunden arbeiten.

Viele Menschen mit Migrationsgeschichte tragen Deutschland jeden Tag mit. Sie arbeiten häufig in Berufen, die körperlich anstrengend und schlecht bezahlt sind – und trotzdem werden sie oft pauschal als faul abgestempelt.

Beim Aussteigen sage ich noch:
„Bitte vergessen Sie nicht, einmal den Bus um 4.50 Uhr zu nehmen. Schlafen Sie nicht zu lange! Einen schönen Tag!“

Der Bus fährt weiter.

Doch leider fahren auch die Vorurteile weiter.

Gerade deshalb müssen solche Situationen angesprochen werden – nicht mit Hass, sondern mit Menschlichkeit und Fakten.

Denn eine Gesellschaft zerbricht nicht daran, dass Menschen unterschiedlich aussehen oder unterschiedliche Wurzeln haben. Sie zerbricht daran, wenn Menschen aufhören, einander wirklich wahrzunehmen.

„Es ist die Eigenschaft von Narren, immer zu urteilen.“
– Thomas Fuller

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Kommentar von

Werner Hoffmann Überzeugter demokratischer Europäer
Werner Hoffmann.
– Überzeugter demokratischer Europäer. –

Janina, so klasse geschrieben…

Damit hatte die „ältere Dame“ – die wahrscheinlich auch sagt: „Also die Jugend von heute….“- wohl nicht gerechnet.

Der Typus Mensch, der sagt:

„Die Jugend von heute“ ist in der Transaktionsanalyse sehr bekannt (Aktion: Eltern-Ich an Eltern-Ich)

Sie hatte an Ihr Eltern-Ich eine Nachricht gesendet und Sie haben nicht aus dem Eltern-Ich, sondern von Ihrem Erwachsenen-Ich an ihr Erwachsenen-Ich geantwortet.

Das verhindert endlose unnütze Diskussionen und sorgt bei dieser Frau hoffentlich zum nachdenken.
Prima

#Rechtsstaat
#NieWiederIstJetzt
#Vielfalt
#Respekt
#Menschlichkeit

Migrationsanteil im Bundestag

Ein Beitrag von

Werner Hoffmann
– Demokratie der Mitte, weil Extremflügel das Land zerstören-.

Vor kurzem versuchte Focus gegen Scholz wieder einmal über einen Artikel zu hetzen.

Dabei ging es um die Aussage, dass die CDU einige Bundestagsabgeordnete als „Feigenblatt“ zur Migrationsgerechtigkeit hat.

Focus spielte dies in eine Richtig hoch, dass dies eine rassistische Äusserung von Scholz wäre.

Ich habe einmal geprüft, wie viele Bundestagsabgeordnete jede einzelne Partei mit Migrationshintergrund im derzeitigen Bundestag hat (2021).

UPS, die CDU fällt hier am Negativsten auf!

Hier ist die Liste der Bundestagsabgeordneten mit Migrationshintergrund nach Parteien (Stand 2021/2022):

   •   SPD: 17 % (ca. 35 von 206 Abgeordneten)

   •   Grüne: 14,3 % (ca. 18 von 118 Abgeordneten)

   •   Linke: 28 % (ca. 8 von 28 Abgeordneten)

   •   FDP: 11,5 % (ca. 9 von 79 Abgeordneten)

   •   CDU/CSU: 4 % (ca. 8 von 197 Abgeordneten)

   •   AfD: 7,2 % (ca. 6 von 83 Abgeordneten)

Insgesamt haben etwa 11,4 % aller Bundestagsabgeordneten einen Migrationshintergrund.

(Quelle: Statista, Mediendienst Integration, taz)

Liebe CDU: Ihr seid Schlusslicht!

Selbst die AfD hat noch mehr Feigenblätter!

Insofern muss ich bei der CDU einen Rassismus indirekt vermuten!

Wie viele Menschen haben in Deutschland einen Migrationshintergrund?

Laut dem Statistischen Bundesamt hatten im Jahr 2022 rund 24,9 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund, was 29,7 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Von diesen Personen besaßen etwa 12,4 Millionen die deutsche Staatsangehörigkeit. 

Es ist wichtig zu beachten, dass der Begriff “Migrationshintergrund” Personen umfasst, die selbst oder deren Eltern nach Deutschland zugewandert sind. Die deutsche Staatsangehörigkeit kann dabei seit Geburt bestehen oder durch Einbürgerung erworben worden sein.

Im Bundestag dürfen nur deutsche vertreten sein.

Und aus diesem Grund muss man natürlich den Migrationshintergrund, der in der Bevölkerung herrscht, auch im Verhältnis anders berücksichtigen.

12,4 % der Deutschen haben einen Migrationshintergrund. Dies sind etwa 15 % der Gesamtbevölkerung.

Alle Parteien, die unter 15 % Migrationshintergrund im Bundestag haben, liegen damit unter dem Durchschnitt, wie er eigentlich sein müsste.

Somit haben lediglich SPD sowie die Linke und fast auch die Grünen dies erreicht.

CDU, CSU, FDP und AfD sind weit von diesem Durchschnittswerte entfernt.

Insofern ist die Frage, inwiefern die geringe Anzahl an Bundestagsabgeordneten mit Migrationshintergrund nicht doch ein Feigenblatt sind.

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