Ein Beitrag von

Werner Hoffmann

Die Schweiz macht ernst mit digitaler Souveränität. Während viele Staaten noch darüber reden, wie abhängig Behörden von großen Softwarekonzernen sein dürfen, geht die Schweizer Bundeskanzlei einen konkreten Schritt: Rund 3.000 Beschäftigte sollen künftig mit einer souveränen Open-Source-Arbeitsplatzsoftware arbeiten.
Das ist ein politisches Signal.
Wer seine Verwaltung vollständig auf geschlossene Systeme einzelner Anbieter stützt, macht sich abhängig: von Lizenzmodellen, Preiserhöhungen, Cloud-Standorten, Vertragsbedingungen, Datenschutzregeln und technischen Vorgaben, die oft nicht in Europa entschieden werden.

Die Schweiz will diese Abhängigkeit verringern. Ab Ende 2027 sollen Mitarbeitende in besonders kritischen Geschäftsprozessen mit einer offenen Arbeitsplatzlösung arbeiten. Für die erste Phase von 2026 bis 2028 sind nach Angaben der Bundeskanzlei 9 Mio. Franken vorgesehen.
Im Zentrum steht eine Open-Source-Plattform für Büroautomation. Sie kann typische Verwaltungsaufgaben abdecken: Textverarbeitung, Tabellen, Präsentationen, E-Mail, Kalender, Dateiablage, Videokonferenzen, Chat, Wissensmanagement und Projektarbeit.

Der entscheidende Punkt ist nicht nur der Preis. Open Source bedeutet vor allem: Der Quellcode ist überprüfbar. Sicherheitsfragen, Datenflüsse und technische Abhängigkeiten lassen sich transparenter bewerten. Außerdem kann der Staat eigene Anforderungen besser einbringen, statt an die Produktstrategie eines einzelnen Konzerns gebunden zu sein.
Ein solcher Wechsel ist anspruchsvoll. Migration, Schulung, Betrieb, Support, Schnittstellen, Datenschutz und Akzeptanz der Beschäftigten müssen funktionieren. Wer jahrelang mit Microsoft 365 gearbeitet hat, ändert seine Arbeitsweise nicht über Nacht.

Für Deutschland sollte dieser Schritt ein Weckruf sein. Auch hier wird seit Jahren über digitale Souveränität gesprochen. Die Schweiz zeigt nun, dass man nicht nur Strategiepapiere schreiben, sondern tatsächlich anfangen kann.
Gerade Verwaltungen, Sozialversicherungsträger, Kommunen, Gerichte, Schulen und Ministerien verarbeiten hochsensible Daten. Wenn ihre digitale Arbeitsumgebung von wenigen internationalen Anbietern abhängt, ist das nicht nur eine technische Frage. Es ist eine Frage staatlicher Handlungsfähigkeit.

Die Botschaft ist klar: Ein moderner Staat muss digital arbeitsfähig sein, ohne sich vollständig abhängig zu machen. Open Source ist kein Allheilmittel. Aber es ist ein wichtiger Baustein für mehr Kontrolle, Transparenz und digitale Freiheit.
#OpenSource #DigitaleSouveränität #Verwaltung #Schweiz #Microsoft365
Hinweis: Die Bilder zu diesem Beitrag können mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.

