Wer macht aus Opfern plötzlich Täter? Der gefährliche Wandel unserer Wahrnehmung

Ein Beitrag von

Peter Sinapius

OPFER ODER TÄTER?

Vor zehn Jahren wurde der syrische Flüchtlingsjunge Alan Kurdi tot an der türkischen Ägäis-Küste angeschwemmt. Das Bild ging um die Welt und wurde zum Symbol des Leids von Menschen auf der Flucht.

Heute wird oft ein anderes Bild gezeichnet: Flüchtlinge erscheinen nicht mehr als Opfer, sondern als Bedrohung. Zehntausende Migranten erreichten in den vergangenen Tagen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta. Ein Großteil ist inzwischen zurückgekehrt.

Dabei gerät fast in Vergessenheit, dass mindestens 72 Menschen bei ihrer Flucht ertrunken sind.

Kritiker werfen Spanien eine zu liberale Migrationspolitik vor. Doch vor wem sollen die Außengrenzen geschützt werden? Vor Menschen, die schwimmend eine Grenze überwinden und dabei ihr Leben riskieren?

Inzwischen ist deutlich geworden, dass Flüchtlinge für politische Machtinteressen instrumentalisiert werden. Wo aus Schutzsuchenden „Eindringlinge“ gemacht werden, wächst Angst – und mit ihr die Bereitschaft, einfache Schuldige zu präsentieren.

Wer kennt das nicht? Geschieht etwas Unerwartetes, sucht man schnell einen Verantwortlichen. Man fragt oft nicht mehr nach den Ursachen, sondern nach einem Täter, dem man die Schuld zuschieben kann.

Hat man diesen gefunden, muss man sich mit den eigentlichen Problemen nicht mehr beschäftigen. So geraten die Menschen aus dem Blick, die auf der Flucht ihr Leben verlieren.

Wer flüchtet, ist kein Täter.

Täter üben Macht aus.

Zu einem Opfer wird man gemacht.

Ein Kommentar von

Werner Hoffmann Überzeugter demokratischer Europäer
Werner Hoffmann, Überzeugter demokratischer Europäer.
Gerade in Wahlkampfzeiten wird versucht, Ängste zu schüren und Menschen gegeneinander auszuspielen.

Wer Schutzsuchende pauschal als Bedrohung darstellt, lenkt häufig von den eigentlichen Ursachen von Flucht, Krieg, Verfolgung und Armut ab.

Eine demokratische Gesellschaft muss ihre Grenzen schützen können – aber ebenso ihre Menschlichkeit bewahren. Sicherheit und Humanität sind keine Gegensätze. Wer Probleme lösen will, sollte auf Fakten statt Angst, auf Menschlichkeit statt Feindbilder und auf Verantwortung statt Schuldzuweisungen setzen.

#Flucht #Menschenrechte #Demokratie #Europa #Menschlichkeit

Quelle:

Peter Sinapius, LinkedIn-Beitrag „OPFER ODER TÄTER?“

https://www.linkedin.com/posts/peter-sinapius_opfer-oder-t%C3%A4ter-vor-zehn-jahren-wurde-share-7489757643524440064-BAjY/?utm_source=share&utm_medium=member_ios&rcm=ACoAADSumNEBGYgkWA6yjTr6uB0NX_Lnrr_XlN0

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