Werner Hoffmann. Überzeugter demokratischer Europäer.
Wenn in Deutschland über Rente, Sozialabgaben, Steuern oder Wirtschaftspolitik diskutiert wird, werden regelmäßig Studien des DIW, des IW oder Aussagen der INSM zitiert.
Viele Menschen gehen dabei von unabhängigen wissenschaftlichen Einschätzungen aus.
Tatsächlich unterscheiden sich diese Organisationen jedoch erheblich hinsichtlich Finanzierung, Trägerschaft und wirtschaftspolitischer Ausrichtung.
Das DIW Berlin gehört zur Leibniz-Gemeinschaft und wird überwiegend öffentlich finanziert. Es forscht unter anderem zu Rentenpolitik, Einkommensverteilung, Arbeitsmarkt, Klima und sozialer Ungleichheit.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, kurz IW, wird dagegen von Arbeitgeberverbänden und Wirtschaftsorganisationen getragen. Es gilt deshalb als wirtschafts- und arbeitgebernah.
Das IW setzt Schwerpunkte auf Wettbewerbsfähigkeit, Unternehmensstandort Deutschland, Fachkräftesicherung, Steuerpolitik und Bürokratieabbau. Viele Empfehlungen des IW sind daher unternehmens- und arbeitgeberfreundlich.
Zum Umfeld des IW gehören unter anderem die IW Consult GmbH, die IW Akademie GmbH, die Institut der deutschen Wirtschaft Medien GmbH und IW Junior.
Eine besondere Rolle spielt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, kurz INSM.
Sie wurde im Jahr 2000 von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie gegründet und wird von Gesamtmetall finanziert.
Die INSM ist kein Forschungsinstitut, sondern eine wirtschaftspolitische Kampagnenorganisation.
Sie setzt sich regelmäßig für niedrigere Unternehmenssteuern, flexiblere Arbeitsmärkte, längere Lebensarbeitszeiten und die Begrenzung von Sozialabgaben ein.
Vereinfacht dargestellt:
Gesamtmetall finanziert die INSM, die INSM beauftragt häufig das IW, und daraus entstehen Studien, Kampagnen und wirtschaftspolitische Empfehlungen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Ergebnisse falsch sind.
Es zeigt aber, dass man immer fragen sollte: Wer finanziert eine Studie? Wer gibt sie in Auftrag? Und wem nützen die politischen Empfehlungen?
Erst der Vergleich verschiedener Institute ermöglicht ein ausgewogeneres Bild wirtschaftspolitischer Zusammenhänge.
#Merz und die #Union zocken mit zentralen Errungenschaften der Arbeitendenbewegung.
Krankentage, 8-Stundentag, Rente…
Leider macht der #Finanzminister Klingbeil mit. Die Kürzungen bei der Gesetzlichen Krankenversicherung gehen gar nicht!
In diesem Sinne: seid laut am 1. Mai 🌹
Ein Kommentar von Werner Hoffmann
Die Diskussion um den 1. Mai sorgt für Empörung – und das zu Recht. Wenn Politiker wie Friedrich Merz diesen zentralen Feiertag infrage stellen, geht es um weit mehr als einen freien Tag: Es geht um den Kern der Arbeitnehmerrechte.
Der 1. Mai steht für Errungenschaften wie den 8-Stunden-Tag, bessere Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und soziale Sicherheit – hart erkämpft durch die Arbeiterbewegung.
Er steht aber auch für Tarifverträge, Arbeitnehmerrechte und den sozialen Ausgleich, der nur durch Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern möglich wurde. Diese Fortschritte sind ohne Gewerkschaften undenkbar.
Jedem muss klar sein: Ohne Gewerkschaften gäbe es in Deutschland weder diese Form der Demokratie noch unseren heutigen Wohlstand. Sie sind ein Fundament unseres sozialen und wirtschaftlichen Systems.
Wer den 1. Mai relativiert oder abschaffen will, sendet ein klares Signal.
Friedrich Merz zeigt damit, wie arbeitnehmerfeindlich seine Politik ist. Allein der Gedanke, den wichtigsten Feiertag der Arbeitnehmer infrage zu stellen, offenbart eine gewerkschaftsfeindliche Haltung. Es geht nicht um Wirtschaftskraft, sondern um Ideologie.
Besonders kritisch wird es im Zusammenhang mit weiteren Entwicklungen: Diskussionen über Krankentage, Arbeitszeiten und Einschnitte bei der gesetzlichen Krankenversicherung zeigen bereits eine klare Richtung. Wenn gleichzeitig der Finanzminister Maßnahmen zulasten der Versicherten unterstützt, entsteht ein alarmierendes Gesamtbild.
Noch gravierender ist der Blick auf die Rentenpolitik. Wer symbolische Errungenschaften wie den 1. Mai angreift, wird auch vor Einschnitten bei der Altersvorsorge nicht zurückschrecken. Steigendes Renteneintrittsalter, geringere Leistungen oder stärkere Privatisierung sind reale Risiken.
Die gesetzliche Rente ist für Millionen Menschen die zentrale Absicherung im Alter. Deutschland liegt bereits heute im europäischen Vergleich bei Rentenhöhe und Arbeitgeberbeteiligung zurück. Weitere Schwächungen würden die Lage deutlich verschärfen.
Die Richtung ist klar: weniger kollektive Absicherung, mehr individuelle Verantwortung – auf Kosten der Beschäftigten.
Der 1. Mai ist kein beliebiger Feiertag. Er ist ein Symbol für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und den Wert von Arbeit.
Deshalb gilt: aufmerksam bleiben, kritisch hinterfragen und Haltung zeigen – gerade am 1. Mai.
Ein Beitrag von Werner Hoffmann – Demokratie der Mitte, weil wirtschaftliche Macht Kontrolle braucht.
Arbeitszeiten: Griechen arbeiten 135 Stunden im Jahr mehr als Deutsche
Deutschland müsse wieder mehr arbeiten, forderte der neue Bundeskanzler Friedrich Merz in dieser Woche. Die Zahlen geben ihm auf den ersten Blick wohl Recht, wie eine neue Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt:
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Eine Antwort noch vorab:
Die oft zitierte Behauptung, Griechen würden im Jahr rund 135 Stunden mehr arbeiten als Deutsche, basiert tatsächlich auf Daten der OECD, nicht nur auf Angaben des Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Allerdings ist diese Aussage stark kontextabhängig und irreführend, wenn man sie isoliert betrachtet.
1. Die Rohdaten (OECD, 2022/2023):
Griechenland: ca. 1.886 Stunden/Jahr Deutschland: ca. 1.341 Stunden/Jahr Differenz: ca. 545 Stunden, nicht nur 135!
Aber: Das ist der Durchschnitt pro arbeitender Person, nicht pro Einwohner.
2. Wichtige Kontextfaktoren:
a) Teilzeitquote in Deutschland
Deutschland hat eine sehr hohe Teilzeitquote (vor allem bei Frauen), während in Griechenland Teilzeit seltener ist. Dadurch wirkt die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland niedriger, obwohl Vollzeitbeschäftigte in beiden Ländern durchaus vergleichbare Stunden arbeiten.
b) Produktivität
Die Arbeitsproduktivität pro Stunde ist in Deutschland deutlich höher. Nach Daten der EU-Kommission (Eurostat) liegt das Bruttoinlandsprodukt pro Stunde in Deutschland etwa 40–50 % höher als in Griechenland. Weniger Stunden, aber mehr Output.
c) Informelle Arbeit und Selbstständigkeit
In Griechenland ist der Anteil von informeller Beschäftigung und Selbstständigen viel höher. Diese Gruppen neigen dazu, mehr Stunden zu arbeiten, aber oft unter schlechteren Bedingungen und geringerer Absicherung.
3. Was bedeutet das also wirklich?
Die Aussage „Griechen arbeiten mehr als Deutsche“ ist zwar quantitativ korrekt, wenn man nur Jahresarbeitsstunden betrachtet – aber qualitativ irreführend, weil:
sie keine Rücksicht auf Produktivität, Teilzeit, wirtschaftliche Struktur und Arbeitsbedingungen nimmt, und oft politisch instrumentalisiert wird, z. B. um längere Arbeitszeiten zu fordern.
Fazit:
Ja, laut OECD arbeiten die Griechen mehr Stunden pro Jahr als Deutsche.
Aber das bedeutet nicht, dass sie „fleißiger“ sind oder dass Deutschland „faul“ ist – es sagt mehr über Wirtschaftsstruktur, Teilzeit und soziale Absicherung aus als über Arbeitsethik.
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Doch bevor man dieser Aussage blind vertraut, sollte man sich fragen: Wer oder was ist das Institut der deutschen Wirtschaft eigentlich?
Das Institut der deutschen Wirtschaft – ein Lobby-Ableger mit Wissenschaftsmantel
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) wurde 1951 gegründet und gibt sich den Anstrich eines neutralen Wirtschaftsforschungsinstituts. Doch ein Blick hinter die Kulissen offenbart: Das IW ist nicht unabhängig, sondern fest eingebunden in die Interessen der Arbeitgeberverbände.
Träger des IW ist ein eingetragener Verein, dessen zentrale Mitglieder die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sowie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sind. Darüber hinaus gehören etwa 100 weitere Verbände und Unternehmen zu den Mitgliedern – allesamt aus dem wirtschaftsnahen Umfeld.
Direktor Hüther: Wirtschaftslobbyist mit Parteizugang
Das Gesicht des IW ist Prof. Dr. Michael Hüther, seit vielen Jahren Direktor des Instituts. Seine Vernetzung spricht Bände:
Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU
Mitglied im Wirtschaftsforum der FDP
Präsidiumsmitglied des BDI
Damit ist klar: Hüther ist nicht nur Wissenschaftler, sondern aktiver Multiplikator wirtschaftsliberaler Politik – mit besten Kontakten in die wirtschaftsfreundlichen Parteien CDU, CSU und FDP.
Enge Bande zur INSM – neoliberale Meinungsbeeinflussung
Besonders brisant:
Das IW ist alleiniger Gesellschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) – einer Lobbykampagne, die im Jahr 2000 vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall ins Leben gerufen wurde.
Die INSM agiert mit aufwendigen Medienkampagnen, „Experten“-Statements und Studienplatzierungen, um die Öffentlichkeit wirtschaftsliberal zu beeinflussen.
Zu den prominenten Unterstützern der INSM zählen ehemalige CDU-Politiker wie Kristina Schröder, aber auch FDP-nahe Persönlichkeiten wie der frühere Minister Karl-Heinz Paqué. Das Netzwerk dieser Initiative reicht tief in die politische Landschaft – mit klarer Schlagseite pro Markt und gegen staatliche Regulierung.
Wissenschaft oder PR für Arbeitgeberinteressen?
Das IW verfasst regelmäßig Studien, die medial gut verwertbar sind – etwa zur Rentenpolitik, Mindestlohn, Klimaschutz oder Migration.
Viele dieser Studien zeichnen sich durch eine deutliche wirtschaftsliberale Schlagseite aus und werden in CDU-nahen Medien oder FDP-nahen Think-Tanks breit aufgegriffen.
Finanzielle Transparenz fehlt: Die genaue Aufschlüsselung, wie viel Geld aus welchen Wirtschaftsbranchen in die Forschung des IW fließt, bleibt verborgen. Auch unabhängige wissenschaftliche Evaluationen der Studienqualität sind rar.
Fazit: Forschung im Dienste der Marktradikalen
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ist kein neutrales Forschungsinstitut, sondern ein Instrument der Arbeitgeberlobby, das sich mit wissenschaftlicher Sprache tarnt. Es ist personell und strukturell eng mit der CDU, CSU und FDP verwoben – insbesondere über den Direktor Hüther, die INSM und die Trägerverbände BDI und BDA.
Wer die angeblich „unabhängigen“ Analysen des IW liest, sollte wissen: Hier spricht nicht nur die Wissenschaft – hier spricht die Wirtschaft.
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Wer jetzt jedoch auf die Altparteien CDU, CSU sauer ist und meint, die AfD, würde es besser machen, der liegt völlig falsch!