Neue betriebliche Altersversorgung: Wer könnte sich gegen eine Reform stellen? – Kurzversion

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Deutschland braucht eine moderne betriebliche Altersversorgung (bAV), die Arbeitnehmern mehr Sicherheit bietet und Arbeitgeber gleichzeitig von Haftungsrisiken entlastet. Ein Modell mit 50 Prozent Arbeitgeberbeteiligung, zertifizierten Produkten, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenschutz sowie einfacher Verwaltung hätte viele Vorteile. Doch jede Reform schafft auch Gegner.

Die Anbieterbranche

Versicherungen, Pensionskassen und andere Anbieter profitieren heute teilweise von komplexen Produkten und zahlreichen Tarifvarianten. Eine gesetzliche Zertifizierung mit klaren Vorgaben zu Kosten, Transparenz und Leistungen könnte bestehende Geschäftsmodelle verändern und Gewinnmargen reduzieren.

Die bAV-Beraterbranche

Die betriebliche Altersversorgung gilt als kompliziert. Viele Unternehmen benötigen deshalb externe Berater und Spezialisten. Ein einfaches, standardisiertes System würde den Beratungsaufwand deutlich verringern und damit auch die Bedeutung eines Teils dieser Branche.

Arbeitgeber

Ein verpflichtender Arbeitgeberzuschuss von 50 Prozent würde zunächst höhere Kosten verursachen. Gleichzeitig könnten Arbeitgeber jedoch von der Nachhaftung nach § 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG befreit werden. Das würde mehr Planungssicherheit schaffen. Zudem sind Arbeitgeberbeteiligungen von mindestens 50 Prozent in vielen europäischen Ländern längst üblich.

Gewerkschaften

Auch Gewerkschaften könnten Vorbehalte haben. Würde eine gesetzliche Grund-bAV für alle Beschäftigten eingeführt, wäre dafür kein Tarifvertrag erforderlich. Damit ginge ein wichtiges tarifpolitisches Instrument verloren. Gleichzeitig würden aber auch Millionen Beschäftigte profitieren, die bisher keine Betriebsrente erhalten.

Parteien, Verbände und Lobbygruppen

Arbeitgeberverbände könnten höhere Kosten kritisieren. Teile der Finanzwirtschaft dürften strengere Vorgaben ablehnen. Auch politische Parteien vertreten unterschiedliche Interessen. Während Arbeitnehmervertreter den Ausbau der bAV eher unterstützen könnten, würden wirtschaftsliberale (Neoliberale) Kräfte zusätzliche Arbeitgeberpflichten kritisch sehen.

Besonders die AfD würde entschieden gegen diese neue bAV sein. Gründe sind hier: Die AfD will – ohne dass sie ein Finanzierungskonzept hat – dass die Altersversorgung 70 Prozent beträgt, aber nicht durch höhere Arbeitgeberbeteiligung, sondern durch Privatsparen, was für einkommensschwächere Arbeitnehmer nicht möglich ist.

Fazit

Die eigentliche Frage lautet: Soll die betriebliche Altersversorgung vor allem bestehenden Interessen dienen oder möglichst vielen Arbeitnehmern einen verlässlichen Schutz im Alter, bei Berufsunfähigkeit und für Hinterbliebene bieten?

#Betriebliche #Altersversorgun #Regorm

error

Gefällt Dir der Blog-Demokratie? Einfach weiterempfehlen