Trumps „reziproke Zölle“: Eine Fake-News-Show mit Vulkaninseln und Mini-Staaten

Ein Beitrag von Chan-jo Jun.

Nein, natürlich berechnen wir keine 39% an die USA, wie Trump bei der PK behauptet. Er rechtfertigt seine irren Zölle damit, dass die ganze Welt die USA über den Tisch zögen.

Die erste Spalte zeigt einen empfundenen Nachteilsquotienten, der sich aus dem eigenen Außenhandelsdefizit geteilt durch US-Importe ergibt. Das sind nicht Zölle, sondern das eigene Einkaufsverhalten. Auf der Tafel steht im Kleingedruckten unter „Tariffs Charged to the U.S.A.“: „Including Currency Manipulation and Trade Barriers“. Diese „Trade Barriers“ sind die Temu und iPhone-Bestellungen der Amerikaner. Das liegt gar nicht im Verhalten der Ausländer, sonder der Amerikaner, die jedoch glauben, dass jetzt endlich Gerechtigkeit gebracht wird. Erstaunlich, dass Fake News auch in so quantativen Wissenschaften wie der Volkswirtschaft, so leicht verfangen.

Quelle: https://www.linkedin.com/posts/chan-jo-jun-9381022_nein-nat%C3%BCrlich-berechnen-wir-keine-39-an-activity-7313451764077289480-mJ5G?utm_source=share&utm_medium=member_ios&rcm=ACoAADSumNEBGYgkWA6yjTr6uB0NX_Lnrr_XlN0

Eine Beitragsergänzung von

– Werner Hoffmann, –
– Demokrat der Mitte, weil Extremflügel das Land zerstören. –

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Trumps „reziproke Zölle“: Eine Fake-News-Show mit Vulkaninseln und Mini-Staaten

Am Rednerpult im Rosengarten des Weißen Hauses präsentierte Donald Trump jüngst eine große Tafel mit dem Titel „Reciprocal Tariffs“ – auf Deutsch: „Reziproke Zölle“. Die Botschaft: Die ganze Welt nutze die USA aus, verlange hohe Zölle und Handelsbarrieren – und nun werde zurückgeschlagen. Eine wirtschaftliche „Befreiung“, wie Trump es nannte.

Doch wer sich die Tafel genauer anschaut, entdeckt eine absurde Mischung aus Zahlentricks, Halbwahrheiten und politischen Nebelkerzen, mit der Trump ein verzerrtes Weltbild verkauft.

Was Trump wirklich meint, wenn er „Zölle“ sagt

Die zentrale Spalte der Tafel trägt den Titel: „Tariffs charged to the USA“, also „Zölle, die den USA berechnet werden“. Doch im Kleingedruckten darunter steht: „Including currency manipulation and trade barriers“ – „einschließlich Währungsmanipulation und Handelsbarrieren“.

Das heißt: Es handelt sich nicht um echte Zölle, die andere Länder offiziell auf US-Waren erheben, sondern um einen subjektiven „Nachteilsquotienten“, den Trumps Team zusammengerechnet hat. Er basiert auf Handelsbilanzdefiziten, mutmaßlichen Währungsmanipulationen und sogar dem amerikanischen Konsumverhalten – wie etwa, dass US-Bürger gerne bei chinesischen Online-Shops wie Temu einkaufen oder iPhones importieren.

Kurz: Die „Zölle“ sind gefühlt, nicht real. Eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit.

Ökonomische Reaktionen: Scharfe Kritik und Börseneinbruch

Nach der Veröffentlichung der Zollpläne hagelte es internationale Kritik:

  • Australiens Premierminister nannte die Zölle „völlig unbegründet“ und betonte, echte Reziprozität würde null Prozent bedeuten – nicht zehn.
  • Schwedens Regierungschef warnte: Freier Handel sei die Grundlage westlichen Wohlstands – nicht Abschottung.
  • Die EU kündigte Gegenmaßnahmen an.

Gleichzeitig fielen weltweit die Börsenkurse – vom Nikkei über den DAX bis zur Wall Street. Gold erreichte ein Rekordhoch. Führende Ökonomen warnten vor den Folgen eines globalen Handelskriegs, ausgelöst durch politisch motivierte und wirtschaftlich unbegründete Maßnahmen.

Die große Liste: Trumps fiktive Zölle für die ganze Welt

Trump veröffentlichte später eine vollständige Tabelle mit über 150 Ländern und deren angeblichen Zollsätzen. Fast alle wurden pauschal mit 10 % „Zoll gegen die USA“ belegt – unabhängig davon, ob diese Länder überhaupt Handel mit den USA betreiben.

Die USA ihrerseits kündigten für viele dieser Länder teils drastische Strafzölle von bis zu 99 % an.

Besonders auffällig: Viele dieser Länder sind winzig, ökonomisch irrelevant oder sogar unbewohnt.

(Auszug):

LandZölle auf USAUS-Gegen-Zölle
United Kingdom10 %10 %
Brazil10 %10 %
Singapore10 %10 %
Chile10 %10 %
Australia10 %10 %
Turkey10 %10 %
Colombia10 %10 %
Peru10 %10 %
Dominican Republic10 %10 %
United Arab Emirates10 %10 %
Argentina10 %10 %
Guatemala10 %10 %
Honduras10 %10 %
Egypt10 %10 %
Saudi Arabia10 %10 %
El Salvador10 %10 %
Morocco10 %10 %
Oman10 %10 %
Uruguay10 %10 %
Bahamas10 %10 %
Ukraine10 %10 %
Bahrain10 %10 %
Qatar10 %10 %
Iceland10 %10 %
Kenya10 %10 %
Haiti10 %10 %
Panama10 %10 %
Ethiopia10 %10 %
Jamaica10 %10 %
Paraguay10 %10 %
Lebanon10 %10 %
Tanzania10 %10 %
Georgia10 %10 %
Senegal10 %10 %
Azerbaijan10 %10 %
Albania10 %10 %
Armenia10 %10 %
Nepal10 %10 %
Sint Maarten10 %10 %
Gabon10 %10 %
Kuwait10 %10 %
Togo10 %10 %
Suriname10 %10 %
Belize10 %10 %
Liberia10 %10 %
British Virgin Islands10 %10 %
Benin10 %10 %
Barbados10 %10 %
Monaco10 %10 %
LandZölle auf USAUS-Gegen-Zölle
Uzbekistan10 %10 %
Republic of the Congo10 %10 %
Djibouti10 %10 %
French Polynesia10 %10 %
Cayman Islands10 %10 %
Kosovo10 %10 %
Curaçao10 %10 %
Rwanda10 %10 %
Sierra Leone10 %10 %
Mongolia10 %10 %
San Marino10 %10 %
Antigua and Barbuda10 %10 %
Bermuda10 %10 %
Eswatini10 %10 %
Marshall Islands10 %10 %
Saint Kitts and Nevis10 %10 %
Turkmenistan10 %10 %
Grenada10 %10 %
Sudan10 %10 %
Turks and Caicos Islands10 %10 %
Aruba10 %10 %
Montenegro10 %10 %
Kyrgyzstan10 %10 %
Yemen10 %10 %
Saint Vincent and the Grenadines10 %10 %
Niger10 %10 %
Saint Lucia10 %10 %
Iran10 %10 %
Samoa10 %10 %
Guinea10 %10 %
Timor-Leste10 %10 %
Montserrat10 %10 %
Mali10 %10 %
Maldives10 %10 %
Tajikistan10 %10 %
Cabo Verde10 %10 %
Burundi10 %10 %
Guadeloupe10 %10 %
Bhutan10 %10 %
Martinique10 %10 %
Tonga10 %10 %
Mauritania10 %10 %
Dominica10 %10 %
Micronesia10 %10 %
Gambia10 %10 %
French Guiana10 %10 %
Christmas Island10 %10 %
Andorra10 %10 %
Central African Republic10 %10 %
LandZölle auf USAUS-Gegen-Zölle
Solomon Islands10 %10 %
Mayotte10 %10 %
Anguilla10 %10 %
Cocos (Keeling) Islands10 %10 %
Eritrea10 %10 %
Cook Islands10 %10 %
South Sudan10 %10 %
Comoros10 %10 %
Kiribati10 %10 %
São Tomé and Príncipe10 %10 %
Gibraltar10 %10 %
Tuvalu10 %10 %
British Indian Ocean Territory10 %10 %
Tokelau10 %10 %
Guinea-Bissau10 %10 %
Svalbard and Jan Mayen10 %10 %
Heard and McDonald Islands10 %10 %
Ecuador10 %12 %
Trinidad and Tobago10 %12 %
Papua New Guinea10 %15 %
Saint Helena10 %15 %
Costa Rica10 %17 %
Ghana10 %17 %
New Zealand10 %20 %
Bolivia10 %20 %
Uganda10 %20 %
Democratic Republic of the Congo11 %22 %
Cameroon11 %22 %
Equatorial Guinea13 %25 %
Chad13 %26 %
Nigeria14 %27 %
Venezuela15 %29 %
Norway15 %30 %
Mozambique16 %31 %
Israel17 %33 %
Zambia17 %33 %
Philippines17 %34 %
Malawi17 %34 %
Zimbabwe18 %35 %
Nicaragua18 %36 %
Reunion73 %37 %
European Union20 %39 %
Jordan20 %40 %
Côte d’Ivoire21 %41 %
Namibia21 %42 %
Vanuatu22 %44 %
Japan24 %46 %
Malaysia24 %47 %
Brunei24 %47 %
Afghanistan10 %49 %
South Korea25 %50 %
India26 %52 %
Kazakhstan27 %54 %
Tunisia28 %55 %
Pakistan29 %58 %
Norfolk Island29 %58 %
Algeria30 %59 %
Nauru30 %59 %
South Africa30 %60 %
Switzerland31 %61 %
Moldova31 %61 %
Libya31 %61 %
Fiji32 %63 %
Angola32 %63 %
Taiwan32 %64 %
Indonesia32 %64 %
North Macedonia33 %65 %
China34 %67 %
Bosnia and Herzegovina35 %70 %
Thailand36 %72 %
Liechtenstein37 %73 %
Bangladesh37 %74 %
Serbia37 %74 %
Botswana37 %74 %
Guyana38 %76 %
Iraq39 %78 %
Mauritius40 %80 %
Syria41 %81 %
Falkland Islands41 %82 %
Sri Lanka44 %88 %
Myanmar44 %88 %
Vietnam46 %90 %
Madagascar47 %93 %
Laos48 %95 %
Cambodia49 %97 %
Lesotho50 %99 %
Saint Pierre and Miquelon50 %99 %

Lacher 1: Saint Pierre und Miquelon – die 6.000-Seelen-Insel gegen den US-Imperialismus

Ein weiteres Beispiel auf Trumps Liste ist das französische Überseegebiet Saint Pierre und Miquelon, gelegen vor der Küste Kanadas. Laut Trump verlangt dieses Mini-Territorium 50 % Zoll auf US-Waren – die USA schlagen mit 99 % zurück.

Nur: Die Inselgruppe hat gerade einmal 6.000 Einwohner, kaum Industrie und betreibt faktisch keinen relevanten Außenhandel mit den Vereinigten Staaten. Der Zollkrieg gegen ein paar französische Fischerhütten – ein Treppenwitz der Geschichte.

Lacher 2: Heard and McDonald Islands – Trumps Zollkrieg gegen Pinguine

Ebenfalls auf der Liste: die Heard and McDonald Islands. Laut Trump: 10 % Zölle gegen die USA, also werden nun 10 % zurückerhoben. Klingt fair? Nicht ganz:

  • Die Inseln sind unbewohnt.
  • Sie liegen im südlichen Indischen Ozean, etwa 4.000 km südwestlich von Australien.
  • Es handelt sich um ein geschütztes Naturreservat ohne jegliche wirtschaftliche Aktivität – abgesehen von Gletschern, Vulkanen und einer großen Pinguinkolonie.

Dass diese entlegene, menschenleere Inselgruppe in einem offiziellen wirtschaftspolitischen Dokument der Vereinigten Staaten auftaucht, ist nicht nur absurd, sondern entlarvt die ganze Farce hinter Trumps Darstellung.

Fazit: Zölle als politisches Theater

Donald Trumps „reziproke Zölle“ sind keine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern ein Propaganda-Instrument. Die zugrunde liegenden Zahlen sind nicht belastbar, sondern ideologisch interpretiert. Die Präsentation suggeriert eine sachliche Analyse, ist aber in Wahrheit eine Mischung aus gefühlter Ungerechtigkeit, nationalistischem Populismus und Fake News.

Statt Handelsbeziehungen zu verbessern, sät Trump Misstrauen. Statt wirtschaftlicher Klarheit betreibt er Showpolitik. Und statt realer Probleme bekämpft er Pinguine auf Vulkaninseln.

Ein Wirtschaftskrieg gegen Saint Pierre, Miquelon und unbewohnte Inseln – willkommen in der Welt von Donald Trump.

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