Atomkraft-Illusion: Warum Spahn und AfD auf eine Energiepolitik von gestern setzen

Ein Beitrag von

#Volker #Quaschning

Prof. Volker Quaschning.

Jens Spahn und die AfD wollen alte Kernkraftwerke in Deutschland für viele Milliarden reaktivieren. Kernkraftwerke liefern Grundlast rund um die Uhr – doch genau das ist heute das Problem. In einem Energiesystem mit stark schwankender Wind- und Solarproduktion sind starre Dauerläufer technisch immer schwerer integrierbar.

Die Realität hat sich verändert: Stromnetze müssen flexibel reagieren. Wenn mittags große Mengen Solarstrom ins Netz drängen oder nachts der Wind stark weht, braucht es regelbare Kapazitäten – keine unflexiblen Grundlastblöcke. Genau deshalb geraten klassische Atomkraftwerke zunehmend in Konflikt mit modernen Energiesystemen.

Anstatt uns möglichst schnell mit erneuerbaren Energien unabhängig von Energieimporten zu machen, setzen CDU/CSU weiter auf fossile Energien für Erdgaskraftwerke und Verbrennerautos und machen immer wieder Vorstöße zur Reaktivierung der Kernenergie. Allein aus technischer Sicht lassen sich Kernkraftwerke in den bestehenden deutschen Energiemix mit viel Sonne und Wind nicht mehr sinnvoll integrieren. Gibt es niemanden, der den Verantwortlichen simple technische Zusammenhänge erklären kann?


Kommentar von

Werner Hoffmann Überzeugter demokratischer Europäer
Werner Hoffmann. – Überzeugter demokratischer Europäer.-

Die Diskussion über eine Rückkehr zur Atomkraft blendet zentrale Risiken aus. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Asse II. Dort lagern tausende Fässer mit radioaktiven Abfällen – und seit Jahren dringt Wasser ein. Dieses Wasser kann radioaktive Stoffe aufnehmen und langfristig in die Umwelt transportieren. Das zeigt: Atomkraft ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein Jahrhundertproblem.

Hinzu kommt die oft verdrängte Realität der Urangewinnung. Uranabbau verursacht massive Umweltzerstörungen, radioaktive Belastungen und gesundheitliche Risiken in Förderländern. Die Folgen werden ausgelagert – während der Strom hier genutzt wird.

Und auch geopolitisch ist Atomkraft alles andere als ein Weg in die Unabhängigkeit. Ein großer Teil der nuklearen Wertschöpfungskette – von Anreicherung bis Brennelementfertigung – ist eng mit dem russischen Staatskonzern Rosatom verbunden. Wer also Atomkraft ausbauen will, begibt sich erneut in strategische Abhängigkeiten – genau das, was wir eigentlich überwinden wollten.

Wer heute über die Reaktivierung alter Anlagen spricht, ignoriert damit gleich mehrere Realitäten: technische Grenzen im Stromsystem, ungelöste Endlagerfragen, Umweltfolgen des Uranabbaus und neue geopolitische Risiken.

Resümee: Atomkraft ist keine Lösung für die Zukunft, sondern ein teures Relikt der Vergangenheit. Sie schafft neue Abhängigkeiten, statt sie zu beenden, und blockiert den dringend notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien.

Link zum Film

Russlands Atomgeschäfte – Europa in der Rosatom-Falle

https://www.ardmediathek.de/video/frontal-die-doku/russlands-atomgeschafte-europa-in-der-falle/ard/Y3JpZDovL3pkZi5kZS9QUk9EMS9TQ01TXzU4ODk5MjZkLTU5OGMtNDE3My05ZTNiLWRkZWZjYjNmM2UxNg

#Energiewende #Atomkraft #Rosatom #ErneuerbareEnergien #Deutschland

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