Ein Beitrag von

Torsten Schreiber
Während Medien und Politik fast pausenlos auf Kriege, Krisenherde und geopolitische Eskalationen blicken, wächst im Hintergrund eine Gefahr, die wirtschaftlich und gesellschaftlich noch viel verheerender werden kann: ein neues El-Niño-Ereignis. Nach der aktuellen Einschätzung des Climate Prediction Center der US-Wetter- und Klimabehörde NOAA ist für den Zeitraum Juni bis August 2026 die Entstehung eines El Niño wahrscheinlich. Die Behörde beziffert diese Wahrscheinlichkeit derzeit auf 62 Prozent und erwartet, dass das Phänomen anschließend mindestens bis Ende 2026 anhalten könnte.
Genau darin liegt die Brisanz. El Niño ist kein bloßes Randphänomen für Meteorologen, sondern ein globaler Risikotreiber. Wenn sich große Teile des tropischen Pazifiks erwärmen, geraten Wettermuster weltweit durcheinander. In manchen Regionen drohen dann sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen, in anderen schwere Dürren, Ernteausfälle und Wasserknappheit.
Besonders alarmierend ist der wirtschaftliche Maßstab. Analysen zeigen, dass die globalen Einkommensverluste nach starken El-Niño-Ereignissen wie 1997/98 auf mehrere Billionen US-Dollar geschätzt werden. Die Schäden wirken oft noch Jahre nach dem eigentlichen Ereignis weiter und treffen insbesondere ohnehin verwundbare Regionen.
Damit wird klar, warum die Debatte um Klimaresilienz keine ferne Zukunftsfrage ist. Ein starkes El-Niño-Ereignis kann Lieferketten stören, Nahrungsmittel verteuern, Energiepreise erhöhen und bestehende soziale Spannungen verschärfen. In einer Welt, die ohnehin durch geopolitische Konflikte belastet ist, wirken solche Klimaextreme wie ein Brandbeschleuniger.
Umso problematischer ist es, wenn gleichzeitig politische Signale der Abschwächung bei der Energiewende gesendet werden. Pläne zur Einschränkung der Förderung für kleine Solaranlagen stehen im Raum. Doch gerade jetzt wären Investitionen in resiliente Infrastruktur, Speichertechnologien und erneuerbare Energien entscheidend.
Denn die Risiken sind klar:
- Dürren in wichtigen Agrarregionen,
- Überschwemmungen in anderen Teilen der Welt,
- Störungen globaler Lieferketten,
- Preisschocks bei Nahrungsmitteln und Energie.
El Niño ist kein entferntes Naturphänomen. Es ist ein globaler Stressfaktor für Wirtschaft, Gesellschaft und politische Stabilität.
Resümee:
Während viele auf die nächste geopolitische Eskalation schauen, könnte sich im Pazifik bereits die nächste große Krise aufbauen. Noch ist offen, wie stark das Ereignis wird. Doch eines ist sicher: Wer jetzt beim Klimaschutz und bei der Resilienz spart, zahlt später einen deutlich höheren Preis.
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