Rohstoff-Paradies Norwegen vs. Rohstoff-Debakel Deutschland – warum ein Land reich und das andere verschuldet ist!

Ein Beitrag von

Werner Hoffmann

Vom armen Agrarstaat zum reichsten Land der Welt pro Kopf

Um 1870 war Norwegen ein bitterarmes Land. Die meisten Menschen lebten von Landwirtschaft, Fischerei und Holz. Viele wanderten aus, weil sie zuhause keine Perspektive sahen. Deutschland dagegen war zur selben Zeit im Aufschwung: Nach dem Sieg über Frankreich 1871 flossen Reparationsmilliarden ins Kaiserreich, die Kohle- und Stahlindustrie boomte, das Ruhrgebiet wurde zum Motor der Industrialisierung.

Doch während Deutschland seine Rohstoffe meist privatwirtschaftlich ausbeutete, entschied sich Norwegen früh für ein anderes Modell:

Rohstoffe gehören der Allgemeinheit.

Schon bei der Nutzung der Wasserkraft führte Norwegen die Heimfallregel ein – jede Konzession für ein Kraftwerk lief nach Jahrzehnten aus und die Anlage fiel automatisch an den Staat zurück.

So blieb die wichtigste Ressource – Wasser – dauerhaft in öffentlicher Hand.

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Deutschland: Rohstoffe ja – Staatsvermögen nein

  • Braunkohle – weltweit größte Vorkommen, bis heute gefördert. Gewinne flossen an Konzerne wie RWE oder LEAG. Der Staat kassierte nur Steuern, die Umweltkosten bleiben bei der Allgemeinheit,
  • Steinkohle – Ruhrgebiet und Saarland machten Deutschland groß, später unrentabel, Jahrzehnte durch Milliarden-Subventionen am Leben gehalten. Am Ende mehr Kosten als Nutzen für den Staat,
  • Erdöl und Erdgas – kleinere Vorkommen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein. Abbau durch Wintershall Dea, ExxonMobil & Co. Staatseinnahmen marginal. Kein Vergleich zu Norwegen,
  • Kali- und Steinsalz – bedeutende Lagerstätten, etwa in Hessen, Thüringen und Niedersachsen. Gewinne bei K+S AG, Staat kassiert nur Steuern,
  • Metalle (Kupfer, Zink, Blei, Eisen, Uran) – Vorkommen im Harz, Siegerland, Erzgebirge. Uranförderung in der DDR, riesige Altlasten. Vermögensaufbau? Fehlanzeige,
  • Nichtmetallische Rohstoffe (Sand, Kies, Kalk, Ton, Quarzsand, Gips) – reichlich vorhanden, unersetzlich für Bauindustrie. Abbau durch Privatunternehmen, Einnahmen für Staat minimal,
  • Seltene Erden und Lithium – kleinere Vorkommen im Erzgebirge, noch kaum erschlossen. Strategischer Plan? Bisher nicht.

Das Ergebnis:

Deutschland hatte enorme Ressourcen, doch Gewinne versickerten in privaten Taschen oder wurden durch Subventionen und Umweltschäden wieder vernichtet.

Ein Staatsfonds wie in Norwegen? Nie aufgebaut.

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Norwegen: Energie als Gemeingut – Vermögen für alle

Norwegen nutzte seine natürlichen Ressourcen ganz anders:

  • Wasser – ab den 1880ern Elektrizität durch Wasserkraft, ab 1909 Heimfallregel: Kraftwerke dürfen privat betrieben werden, fallen aber nach Ablauf der Konzession zurück an den Staat. Damit blieb die wichtigste Energiequelle dauerhaft Allgemeingut,
  • Öl und Gas – ab den 1960ern große Funde in der Nordsee. Der Staat gründete Equinor (früher Statoil) und sicherte sich hohe Fördersteuern. Gewinne flossen nicht in den laufenden Haushalt, sondern ab 1990 in den Government Pension Fund Global,
  • Staatsfonds – heute mit rund 1,4 Billionen Euro der größte der Welt. Nur 3 % Rendite dürfen jährlich für den Staatshaushalt genutzt werden. Der Rest bleibt unangetastet und wächst für künftige Generationen.

Das Ergebnis:

Jeder Norweger hat rechnerisch über 300.000 Euro Staatsvermögen, während in Deutschland auf jeden Bürger etwa 31.000 Euro Schulden entfallen.

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Der entscheidende Unterschied

Es ist kein Zufall, sondern eine Frage der politischen Entscheidung:

  • Deutschland: Rohstoffe in privater Hand, Gewinne privatisiert, Kosten sozialisiert,
  • Norwegen: Rohstoffe als Allgemeingut, Gewinne in Staatsfonds, Vermögen für alle.

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Norwegen ist kein Sozialismus – sondern Staatsvernunft

Wichtig ist zu betonen:

Norwegen ist keine sozialistische Planwirtschaft.

Es ist eine liberale Marktwirtschaft mit innovativen Unternehmen, starkem Export und internationalem Wettbewerb.

Der Unterschied liegt nur hier:

  • Öl, Gas und Wasser sind Gemeingut der Nation,
  • Der Staat verwaltet diese Ressourcen treuhänderisch für alle Bürger,
  • Gewinne fließen in den Fonds – nicht in private Taschen.

Das ist keine Ideologie, sondern schlicht ökonomische Vernunft.

Während Deutschland trotz Kohlesegen verschuldet ist, hat Norwegen durch eine kluge Ressourcenpolitik den Weg in den Wohlstand aller Bürger gefunden.

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