Ein Beitrag von

Werner Hoffmann.
Noch 2013 klang die energiepolitische Realität in Deutschland wie eine bittere Ironie: Ausgerechnet auf der windreichen Nordsee gab es zu wenig Windkraft.
Während Politik und Wirtschaft die Energiewende rhetorisch feierten, stockte der Ausbau dort, wo er am sinnvollsten gewesen wäre. Genehmigungen lagen vor, Pläne waren gemacht – doch Projekte verzögerten sich, Investoren zögerten, politische Prioritäten schwankten. Das Ergebnis: Deutschland fiel zurück, andere Länder zogen vorbei. Die Energiewende wurde angekündigt, aber nicht konsequent umgesetzt.

Diese Ironie zieht sich bis heute durch die Debatte – und bekommt mit Friedrich Merz eine neue Zuspitzung. Der CDU-Chef erklärte öffentlich, Windräder seien „hässlich“ und passten nicht in die Landschaft. Sinngemäß stellte er in Aussicht, man könne sie eines Tages wieder abbauen. Nicht Effizienz, nicht Klimaschutz, nicht Versorgungssicherheit standen im Mittelpunkt – sondern Ästhetik. Eine Haltung, die bei vielen Kopfschütteln auslöste, weil sie den Kern der Herausforderung verfehlt: Es geht nicht um Gefallen, sondern um Energie, Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit.

Hinzu kommt Merz’ Einordnung der Windkraft als „Übergangstechnologie“. Windenergie sei demnach nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu etwas „Besserem“. Doch genau hier liegt das Problem: Wer die leistungsfähigste erneuerbare Energiequelle der Gegenwart rhetorisch abwertet, bremst den Ausbau im Hier und Jetzt. Übergangstechnologien sind keine Ausrede, sondern Brücken – und ohne sie kommt man nicht ans andere Ufer.

Viele Kritiker sehen darin ein Muster, das sie spöttisch als „Altes Deutsches Männer-Syndrom“ bezeichnen: Skepsis gegenüber sichtbarem Wandel, Nostalgie für alte Technik, Hoffnung auf ferne Wunderlösungen – und ein Unbehagen gegenüber dem, was heute machbar ist. Das ist kein medizinischer Begriff, sondern eine politische Diagnose. Sie beschreibt eine Haltung, die Fortschritt lieber vertagt als gestaltet.

Die eigentliche Ironie bleibt: Deutschland wusste es besser. Schon vor über zehn Jahren war klar, wie groß das Potenzial der Windkraft ist – besonders offshore. Doch statt entschlossen zu handeln, wurde gezögert, relativiert und klein geredet. Wer heute Windkraft als hässlich oder nur vorübergehend bezeichnet, übersieht, dass sie längst das Rückgrat einer sauberen Energieversorgung ist. Nicht irgendwann. Jetzt.
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