Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Der Anschlag auf Elektroleitungen im Berliner Südwesten hat Anfang Januar einen massiven Stromausfall ausgelöst. Zeitweise waren rund 45.000 Haushalte und über 2.000 Unternehmen ohne Strom.

Betroffen waren unter anderem Steglitz-Zehlendorf, Wannsee, Nikolassee und Lichterfelde. Auch Pflegeeinrichtungen, Schulen und kleinere Betriebe waren zeitweise lahmgelegt.

Kurz nach der Tat tauchte ein Bekennerschreiben einer angeblich linksextremistischen Gruppe auf. Dieses wird derzeit von den Sicherheitsbehörden geprüft. Doch bereits jetzt gibt es Zweifel an der tatsächlichen Urheberschaft. Denn ein Bekennerschreiben ist kein Beweis – es kann von jedem verfasst werden, der eine bestimmte politische Spur legen will.

Damit stellt sich die entscheidende Frage: Wer profitiert politisch von diesem Anschlag?
Die linke Szene profitiert davon erkennbar nicht. Ein großflächiger Stromausfall mitten im Winter erzeugt Angst, Wut und Ablehnung in der Bevölkerung. Solche Ereignisse führen erfahrungsgemäß nicht zu mehr Zustimmung für linke Positionen, sondern eher zu einer gesellschaftlichen Verschiebung nach rechts.
Dieter Breymann.
Anders sieht es bei geopolitischen Akteuren aus. Russland hätte ein strategisches Interesse, wenn durch Sabotage an kritischer Infrastruktur das Vertrauen in Staat, Demokratie und innere Sicherheit geschwächt wird. Solche Aktionen passen in das bekannte Muster hybrider Kriegsführung, bei der gezielt Verunsicherung, Polarisierung und politische Radikalisierung gefördert werden – ohne offenen militärischen Konflikt.
Innenpolitisch profitieren vor allem AfD und BSW. Beide Parteien nutzen Krisen, um Staatsversagen zu behaupten und Ängste zu verstärken. Ein Stromanschlag dieser Größenordnung passt exakt in ihre Narrative. Besonders brisant ist dies vor dem Hintergrund, dass 2026 in Deutschland sechs Landtagswahlen stattfinden. Jede Verunsicherung wirkt sich unmittelbar auf politische Stimmungen und Wahlkämpfe aus.

Ein Blick zurück auf das Jahr 2024 zeigt, dass diese Sorgen nicht unbegründet sind. Der Spiegel berichtete damals in einer umfangreichen Recherche über Hinweise auf russische Netzwerke, die Täter motiviert oder ideologisch beeinflusst haben könnten, um gezielt Angst und Chaos in westlichen Gesellschaften zu erzeugen.

Noch ist die Aufklärung des Berliner Stromanschlags nicht abgeschlossen. Doch schon jetzt wird deutlich: Die politische Wirkung eines solchen Anschlags ist mindestens so bedeutsam wie die Tat selbst. Deshalb muss nicht nur nach Tätern, sondern auch nach den strategischen Profiteuren gefragt werden.
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Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz ist mehr als ein physischer Angriff auf unsere Versorgung. Er entwickelt sich zum Informationskrieg, in dem nichts so ist, wie es scheint. Sicherheitsbehörden gehen von einer Tat der „Vulkangruppe“ aus. Für Alexander Dobrindt ist das ein Fakt. Und eine neue Analyse der taz (Link ) zeigt Nuancen: Wir könnten es mit einem Phänomen zu tun haben, das gefährlicher ist als jede straffe Terrorzelle: der totalen Unübersichtlichkeit.
HybridWarfare
Die Theorie liegt nahe: Ein Anschlag, der wie klassischer Linksterrorismus aussieht, aber eigentlich in Moskau geplant wurde. Die „False Flag“-These stützt sich auf forensische Auffälligkeiten in den Bekennerschreiben (kyrillische Codierungsfehler). Allerdings könnte auch genau diese „Russland-Spur“ selbst Teil der Desinformation sein. Wenn wir jeden Sabotageakt sofort dem Kreml zuschreiben, machen wir es echten inländischen Extremisten zu leicht, sich zu verstecken.
CopycatEffekt
Ein Aspekt, den wir möglicherweise völlig unterschätzen: Das Label „Vulkangruppe“ ist keine geschlossene Organisation wie die RAF, sondern ein Franchise. Jeder kann es nutzen. Das macht die Täterfrage so brisant. Handelt es sich um Trittbrettfahrer, die sich durch die mediale Aufmerksamkeit für frühere Anschläge (Tesla) animiert fühlten? Die Professionalität der Ausführung am Teltowkanal spricht für Expertenwissen, aber die politische Begründung wirkt für Szenekenner teils hölzern.

SzeneSpaltung
Interessant ist die Reaktion aus der linken Szene selbst. Nun ist ein zweites Schreiben auftaucht, das die Russland-Theorie dementiert und die „Urheberschaft“ reklamiert. Die Szene merkt, dass sie die Deutungshoheit verliert. Ein Anschlag, der Tausende Berliner Haushalte und Pflegeheime im Winter frieren lässt, lässt sich kaum noch als „Widerstand gegen das System“ verkaufen. Er delegitimiert die eigene Bewegung. Ob „echte“ Linke oder russische Agenten: Der politische Kollateralschaden für die Klimabewegung ist immens – und vielleicht genau das Ziel.
RedundanzLücke
Was unabhängig von der Täterfrage bleibt, ist das technische Versagen. Experten weisen darauf hin, dass an der betroffenen Stelle keine Redundanz im Netz vorlag. Das ist der eigentliche Skandal. Dass ein einziges Feuer an einer Kabelbrücke Zehntausende lahmlegt, ist kein Schicksal, sondern ein Versäumnis in der Netzplanung. Wir müssen aufhören, nur auf die Täter zu starren, und anfangen, unsere Hausaufgaben bei der Resilienz zu machen. Wer auch immer das Streichholz hält: Unsere Infrastruktur darf nicht beim ersten Funken kollabieren.
Fazit
Der Generalbundesanwalt ermittelt, aber wir sollten uns auf eine lange Unsicherheit einstellen. Die Grenzen zwischen politischem Extremismus, staatlicher Sabotage und kriminellem Vandalismus verschwimmen. Für Unternehmen und KRITIS-Betreiber heißt das: Schutzmaßnahmen hochfahren und sich nicht darauf verlassen, dass der Gegner „nur“ ein politisches Motiv hat. Der Gegner ist das Chaos selbst.
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Quelle des Films:
Dieter Breymann

