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Oh nein, jetzt auch noch das: Lkw-Fahrer:innen wollen elektrisch fahren.
Was für manche noch nach Zukunft klingt, ist in Baden-Württemberg längst Realität. In Bietigheim im Kreis Rastatt ist der E-Lkw kein Schaufensterprojekt mehr, sondern Alltag. Mehr als 50 elektrische Lastwagen sind dort bei einer Spedition im Einsatz – rund die Hälfte der Flotte. Und sie fahren nicht nur regional, sondern bis nach Ungarn.
Anfangs gab es Skepsis. Heute berichten Fahrer:innen, dass sie ohne Ruckeln, ohne harte Schläge und deutlich rückenfreundlicher unterwegs sind. Sie kommen entspannter nach Hause. In Zeiten massiven Fahrermangels ist das ein echter Vorteil. Inzwischen bewerben sich Fahrer:innen gezielt wegen der E-Lkw.

Auch wirtschaftlich rechnet sich der Umstieg. Der größte Vorteil ist die gesparte Lkw-Maut. Hinzu kommt ein planbarer Betrieb. Die Spedition fährt häufig zwischen denselben Kund:innen und erstellt feste Routen, in denen genau festgelegt ist, wann geladen wird.

Geladen wird überwiegend an eigenen Ladepunkten zwischen Bietigheim und Mannheim. Öffentliche Ladeinfrastruktur wird nur bei längeren Strecken genutzt. Parallel entsteht ein Netzwerk, in dem sich Logistikunternehmen gegenseitig Ladepunkte zur Verfügung stellen.
Natürlich ist der Einstieg teuer. Ein Diesel-Lkw kostet rund 110.000 Euro, ein E-Lkw mit großer Reichweite etwa 260.000 Euro. Das erfordert Investitionen, Planung und Wissen über den Strommarkt. Für 2026 ist eine neue Logistikhalle mit Photovoltaikanlage und Batteriespeicher geplant.

Kommentar von Werner Hoffmann
Gerade bei Lkw zeigt sich, wie gut Elektromobilität zur Realität passt. Lkw-Fahrer:innen dürfen maximal 4,5 Stunden am Stück fahren, danach ist eine 45-minütige Pause vorgeschrieben. Pro Tag sind in der Regel 9 Stunden Lenkzeit erlaubt. Bei realistischen 70–80 km/h ergeben sich 630 bis 720 Kilometer pro Tag. Genau in diesen Pausenfenstern lässt sich Laden sinnvoll integrieren.

Wichtig ist dabei: Manipulationen der Fahrzeiten sind heute praktisch ausgeschlossen. Digitale Fahrtenschreiber, Mautsysteme und automatische Erfassung an Mautstellen machen Abweichungen transparent und nachvollziehbar.

Ein Blick nach China zeigt, was möglich ist. Dort ist der Dieselverbrauch 2024 um 11,3 Millionen Tonnen gesunken. Das entspricht rund 85 Millionen Barrel Diesel pro Jahr und einer CO₂-Einsparung von etwa 35,7 Millionen Tonnen jährlich. Elektrische Nutzfahrzeuge spielen dabei eine zentrale Rolle.

Das eigentliche Problem sitzt also nicht am Lenkrad. Die Technik funktioniert, Fahrer:innen wollen sie – und wirtschaftlich lohnt sie sich.
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