Gefälschte Nähe, echte Gefahr – wie die AfD versucht, Meinung im Netz zu manipulieren

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Was auf den ersten Blick wie breite Zustimmung aussieht, entpuppt sich bei genauerem

Hinsehen oft als digitale Kulisse. Likes, Kommentare, geteilte Beiträge – massenhaft, gleichförmig, auffällig schnell. Genau dieses Bild zeigte sich bereits 2019 in mehreren Berichten über Social-Media-Aktivitäten im Umfeld der AfD.

Damals war von rund 200.000 Facebook-Profilen die Rede, die gezielt AfD-Inhalte verbreiteten oder unterstützten.

Als Quelle wurde unter anderem Trevor Davis, Professor an der George Washington University, genannt.

Er identifizierte laut Berichten zehntausende Facebook-Accounts, die AfD-Beiträge teilten und laut eigenen Profilangaben nicht in Deutschland lebten – unter anderem in Afrika, Südamerika, Osteuropa und im arabischen Raum.

Davis erklärte, ein solches Muster habe er in keinem anderen untersuchten Land gefunden.

Ein besonders eindrückliches Beispiel betraf den AfD-Kreisverband Zweibrücken.

Dort sollen laut Auswertungen rund 40 Prozent der Unterstützerinnen und Unterstützer des Facebook-Auftritts mindestens 500 Kilometer vom Ort entfernt gewesen sein. Nähe wird simuliert, wo keine ist. Lokale Verwurzelung wird behauptet, wo sie faktisch fehlt.

Auffällig waren auch die beschriebenen Verhaltensmuster vieler Accounts: Profile, die wahllos hunderte Seiten mit „Gefällt mir“ markieren, tausende AfD-Beiträge liken oder innerhalb weniger Minuten dutzende identische Kommentare posten – oft mit wortgleichen Wahlaufrufen. Das wirkt nicht wie lebendige Debatte, sondern wie industriell erzeugte Zustimmung.

Und genau hier liegt das eigentliche Problem: Es geht nicht um Meinungsaustausch, sondern um Meinungsmache. Die AfD profitiert von einer digitalen Strategie, die Masse simuliert, Zustimmung vortäuscht und so den Eindruck erzeugt, ihre Positionen seien gesellschaftlicher Konsens. Wer oft genug liest, dass „alle so denken“, beginnt zu zweifeln – selbst dann, wenn das Bild künstlich erzeugt ist.

Ich habe selbst in den letzten Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht. Über eine Internetseite erreichen mich immer wieder zahlreiche Reaktionen in Form von „Gefällt mir“-Angaben oder offensichtlich vorgefertigten Kommentaren, die AfD-nah sind. Schaue ich mir die Profile dahinter an, zeigt sich auffällig häufig:

Viele dieser Personen leben nicht in Deutschland. Die Muster gleichen sich. Die Texte gleichen sich. Die Profile wirken austauschbar.

Das alles ist kein Zufall. Es folgt einer klaren Logik: Reichweite erzeugen, Zweifel säen, Diskurse verschieben. Nicht durch Argumente, sondern durch schiere Menge. Nicht durch Überzeugung, sondern durch Wiederholung. So entsteht ein verzerrtes Bild von Realität – und genau diese Verzerrung ist gefährlich für eine offene, demokratische Gesellschaft.

Demokratie lebt von echten Menschen, echten Meinungen und offener Auseinandersetzung. Sie wird untergraben, wenn Zustimmung simuliert und Öffentlichkeit manipuliert wird. Wer das erkennt, sieht: Es geht hier nicht um harmlose Likes – es geht um den Versuch, Wahrnehmung zu steuern und Demokratie zu unterwandern.

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