Frankreich schmeißt Teams und Zoom raus – digitale Souveränität statt US-Abhängigkeit

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Werner Hoffmann Linux Mint

Frankreich zieht die Reißleine – und setzt ein deutliches Zeichen gegen digitale Abhängigkeit von US-Konzernen.

Bis spätestens 2027 sollen in französischen Regierungsbehörden Microsoft Teams und Zoom vollständig ersetzt werden. Stattdessen kommt eine eigene, staatlich kontrollierte Videokonferenzlösung namens „Visio“ zum Einsatz. Der Schritt ist kein symbolischer Akt, sondern Teil einer langfristigen Strategie für digitale Souveränität, Datenschutz und geopolitische Unabhängigkeit.

Hintergrund der Entscheidung ist die wachsende Sorge über den Zugriff ausländischer Behörden auf sensible Kommunikationsdaten. US-Gesetze wie der Cloud Act ermöglichen es amerikanischen Behörden, unter bestimmten Umständen auf Daten von US-Anbietern zuzugreifen – selbst dann, wenn diese Daten in Europa gespeichert sind. Für einen souveränen Staat ist das ein erhebliches Risiko.

Mit Visio geht Frankreich bewusst einen anderen Weg. Die Plattform ist Teil der staatlichen Suite Numérique und wird ausschließlich auf französischer bzw. europäischer Infrastruktur betrieben. Hosting, Betrieb und Wartung sowie Zusatzfunktionen wie Transkription und Untertitel erfolgen über französische Anbieter, teils auf der Cloud-Infrastruktur von Outscale. Damit bleibt die Datenhoheit im eigenen Land.

Der Rollout erfolgt schrittweise. Bereits jetzt testen mehrere Behörden die neue Plattform, bevor ab 2027 keine Lizenzen für Teams oder Zoom mehr verlängert werden sollen. Wichtig: Die Entscheidung betrifft zunächst nur den öffentlichen Dienst, nicht private Unternehmen – zeigt aber klar, wohin die Reise geht.

Frankreich versteht Digitalisierung nicht als Komfortfrage, sondern als Frage staatlicher Handlungsfähigkeit. Kommunikation, Verwaltung und kritische Infrastruktur sollen nicht von geopolitischen Interessen fremder Staaten abhängen. Genau darin liegt die Sprengkraft dieser Entscheidung: Frankreich beweist, dass staatliche IT-Unabhängigkeit möglich ist, wenn der politische Wille vorhanden ist.

Für Deutschland und die EU ist das ein Weckruf. Wer über digitale Souveränität redet, muss sie auch umsetzen – mit eigenen Lösungen, offenen Standards und europäischer Infrastruktur. Frankreich geht voran. Die Frage ist nur: Wer folgt?

Quelle / Hintergrund:
www.euronews.com,
www.golem.de,
www.computing.co.uk.

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