Entwicklungshilfe als Feindbild – Wie die AfD mit Reisenarrativen spaltet und Deutschland schadet

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Die AfD erzählt seit Jahren dieselbe Geschichte:

Deutschland sei ein ausgeplündertes Land, die Regierung „verschenke“ hart erarbeitetes Geld ins Ausland, während „das eigene Volk“ leer ausgehe.

Diese Erzählung ist einfach, emotional – und politisch hochwirksam.

Denn sie nutzt Entwicklungshilfe bewusst als Spaltungsinstrument. Nicht, um sachlich über Haushaltsprioritäten zu sprechen, sondern um Ressentiments zu erzeugen und ein Wir-gegen-sie-Gefühl zu schüren.

Entwicklungshilfe als politisches Feindbild

In der AfD-Rhetorik wird Entwicklungshilfe fast immer als reine Schenkung dargestellt.

Der Begriff „verschenkt“ fällt auffällig oft.

Das Ziel ist klar: Wer glaubt, sein Geld werde grundlos weggegeben, empfindet Wut. Und Wut lässt sich politisch mobilisieren.

Was dabei systematisch unterschlagen wird:

Ein großer Teil der sogenannten Entwicklungshilfe besteht nicht aus Geschenken, sondern aus Krediten, projektgebundenen Investitionen, langfristigen Kooperationsprogrammen oder Zahlungen mit klaren wirtschaftlichen und politischen Gegenleistungen.

Die AfD reduziert diese komplexen Zusammenhänge auf ein simples Narrativ – nicht aus Unwissen, sondern aus Kalkül.

Spaltung durch Vereinfachung

Indem Entwicklungshilfe pauschal diskreditiert wird, entsteht ein künstlicher Gegensatz: „Die da draußen“ gegen „uns hier“. Genau diese Vereinfachung ist der Kern der Spaltungsstrategie.

Es wird nicht gefragt,

wo deutsche Firmen an Projekten beteiligt sind,
welche Arbeitsplätze dadurch entstehen,
wie Rohstoffpartnerschaften gesichert werden,
oder welche geopolitischen Alternativen es gäbe.

Stattdessen wird suggeriert, jeder Euro außerhalb Deutschlands sei ein Verlust. Das ist ökonomisch falsch – und politisch gefährlich.

Warum Entwicklungshilfe Deutschland konkret nützt

Tatsächlich profitiert Deutschland in vielfacher Hinsicht von internationaler Entwicklungszusammenarbeit:

Arbeitsplätze auch für Deutsche,
Kredit statt Geschenk,
Beziehungspflege und Stabilität,
Rohstoffe und Lieferketten,
Geopolitische Realität,.

Arbeitsplätze auch für Deutsche, viele Projekte werden von deutschen oder europäischen Unternehmen geplant und umgesetzt. Ingenieure, Handwerker, Planungsbüros, Maschinenbauer – Wertschöpfung findet sehr häufig in Deutschland statt.

Kredit statt Geschenk, zahlreiche Projekte laufen auf Rückzahlungsbasis. Länder erhalten Darlehen, zahlen diese zurück, oft gekoppelt an deutsche Leistungen oder Produkte. Ein bekanntes Beispiel sind Infrastrukturprojekte wie Verkehrs- oder Radwege, die als Investitionen mit Gegenleistung vergeben werden.

Beziehungspflege und Stabilität, internationale Kooperation schafft politische Beziehungen. Diese sind entscheidend für Handelsabkommen, Krisenprävention und diplomatischen Einfluss. Wer heute Partnerschaften pflegt, verhindert morgen teure Konflikte.

Rohstoffe und Lieferketten, Deutschland ist auf Rohstoffe angewiesen. Entwicklungshilfe ist oft Teil einer strategischen Partnerschaft, um Zugang zu Ressourcen zu sichern – fairer, transparenter und nachhaltiger, als es autoritäre Mächte tun würden.

Geopolitische Realität, wenn Deutschland sich zurückzieht, springen andere ein. China oder Russland investieren nicht aus Nächstenliebe, sondern um Abhängigkeiten zu schaffen. Entwicklungshilfe ist daher auch Außen- und Sicherheitspolitik.

Die eigentliche Gefahr

Die AfD stellt Entwicklungshilfe nicht infrage, weil sie ineffizient wäre, sondern weil sie nicht in ihr nationalistisches Weltbild passt.

Internationale Zusammenarbeit widerspricht der Erzählung von Abschottung und kultureller Abgrenzung.

Flüchtlinge Asyl

Doch ein exportorientiertes Land wie Deutschland lebt von Vernetzung, nicht von Isolation. Wer Entwicklungshilfe pauschal verteufelt, schwächt am Ende genau das, was er vorgibt zu schützen: Wohlstand, Sicherheit und Einfluss.

Resümee

Entwicklungshilfe ist kein moralischer Luxus, sondern ein strategisches Instrument moderner Politik. Die AfD nutzt sie bewusst als Spaltungswerkzeug, indem sie komplexe Realität auf plumpe Parolen reduziert. Wer jedoch genauer hinsieht, erkennt: Entwicklungshilfe ist Investition, Partnerschaft und Eigeninteresse zugleich. Nicht ihr Fortbestand ist das Problem – sondern ihre populistische Verzerrung.

Besonders wichtig ist auch:

Je besser die Entwicklung in den Entwicklungsländern voranschreitet, desto weniger Flüchtlinge gibt es aus diesen Ländern.

Sehr deutlich wurde dies, als 2013 Deutschland und die EU die Entwicklungshilfe stark reduziert wurde.

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer an Weihnachten: „Frohes Fest Ihr Christen!“

Kurze Zeit später kamen sehr viele Flüchtlinge nach Europa

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