Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Atomkraftwerke gelten oft als verlässliche Stromlieferanten, angeblich unabhängig von Wind und Wetter.
Doch die Praxis zeigt:
Auch sie sind wetterabhängig. Genau das wurde zuletzt in Frankreich sichtbar.
Der französische Energiekonzern EDF musste das Atomkraftwerk Flamanville am Ärmelkanal in der Nacht zu Freitag zeitweise herunterfahren. (siehe Ergänzung unten*).

Bei Sturm und extremen Windgeschwindigkeiten hat Sicherheit Vorrang, denn Wetterextreme können kritische Infrastruktur rund um Netzverbindungen und Kühlsysteme beeinträchtigen.
Und das ist kein Einzelfall. Frankreich kennt das Problem seit Jahren:
Bei Hitzewellen werden Reaktoren gedrosselt oder abgeschaltet, weil Flüsse und Meereswasser zu warm sind oder weil Niedrigwasser weniger Kühlleistung erlaubt.
Kühlung ist bei Atomkraft kein Nebenthema, sondern eine zentrale Betriebsbedingung. Wenn die Natur an diese Grenzen stößt, muss die Leistung runter oder der Reaktor vom Netz.

Die Erkenntnis ist einfach: Kein Kraftwerk läuft völlig unabhängig vom Wetter.
Der Unterschied liegt darin, wie das System damit umgeht.
Erneuerbare Energien sind von Anfang an auf Schwankungen ausgelegt.

Wind und Sonne werden heute mit Batteriespeichern, flexiblen Verbrauchern, Lastmanagement und europäischer Netzkoordination kombiniert. So wird aus Wettervariabilität ein planbarer Faktor.
Wer Versorgungssicherheit wirklich ernst nimmt, sollte deshalb nicht einzelne Technologien idealisieren oder verteufeln, sondern das Zusammenspiel verbessern.
Die Stromsysteme der Zukunft entstehen durch Vielfalt, Flexibilität und intelligente Steuerung, nicht durch Dominanz eines einzigen Energieträgers.
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* Ergänzung:
Beim jüngsten Sturmtief „Goretti“ in Nordfrankreich wurden konkret zwei Reaktoren des Kernkraftwerks Flamanville vom Netz genommen:
Reaktor 1 (klassischer Druckwasserreaktor mit etwa 1,3 GW)
Reaktor 3 (der neue EPR-Reaktor mit etwa 1,6 GW)
Beide Blöcke wurden wegen des Sturms und der Unterbrechung einer Hochspannungsleitung aus Sicherheitsgründen abgeschaltet und vom Netz getrennt. Gleichzeitig war Reaktor 2 bereits wegen planmäßiger Wartungsarbeiten offline, sodass dort kein zusätzlicher wetterbedingter Eingriff nötig war.

