Elektroautos sind Gift für Tankstellen – warum Betreiber sie am liebsten fernhalten

Ein Beitrag von

Werner Hoffmann.

Elektrofahrzeuge verändern die Spielregeln – und genau deshalb sind sie an klassischen Tankstellen alles andere als willkommen. Der Grund ist nicht Technik oder Ideologie, sondern knallharte Ökonomie.

Tankstellen sind für kurze Stopps gebaut: reinfahren, tanken, zahlen, weiter. Leistungsfähiges Laden mehrerer Elektroautos gleichzeitig würde jedoch teure Netzanschlüsse, Umbauten und zusätzliche Fläche erfordern. Für viele Standorte ist das wirtschaftlich nicht darstellbar.

Das eigentliche Problem liegt jedoch woanders: Elektroautos laden überwiegend zu Hause oder bei der Arbeit. Jedes Fahrzeug, das an einer privaten Wallbox geladen wird, fehlt der Tankstelle gleich doppelt: kein Verkauf von Benzin oder Diesel und keine Spontankäufe im Shop.

Dabei ist der Shop längst der wichtigste Gewinnbringer.

Zwar stammen rund 60–65 % des Umsatzes einer Tankstelle aus Kraftstoffen, doch der Ertrag daraus liegt oft nur bei 20–30 %.

Der Rest kommt aus Kaffee, Snacks, Getränken, Tabakwaren und anderen Impulsartikeln, die zusammen nur 35–40 % Umsatz, aber 70–80 % des Gewinns liefern. Sinkt die Kundenfrequenz, bricht genau dieses Geschäft weg.

Ein ähnlicher Effekt war bereits beim Rückgang des Zigarettenkonsums zu beobachten. Als Tabakwerbung verboten wurde und der Absatz sank, wehrten sich Tankstellenbetreiber jahrelang – nicht aus Prinzip, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Elektroautos wirken heute ähnlich disruptiv, nur umfassender: Sie entziehen Tankstellen Kraftstoff- und Shopumsätze zugleich.

Hinzu kommt ein entscheidender Zeitfaktor. Verbrennerfahrer müssen aktiv zur Tankstelle fahren und warten – über ein Jahr summieren sich so mehrere Stunden verlorene Zeit. Beim Elektroauto passiert das Laden passiv, während das Fahrzeug ohnehin steht: zu Hause oder am Arbeitsplatz.

Öffentliches Laden bleibt meist auf Langstrecken über etwa 300 Kilometer beschränkt. Und genau dort gilt ohnehin: Nach 300 km sollte jeder Autofahrer eine Pause von 30–45 Minuten einlegen. Beim Elektroauto wird diese Pause einfach mit dem Laden kombiniert – ohne zusätzlichen Zeitverlust.

Unterm Strich sparen Besitzer von Elektrofahrzeugen gleich dreifach:
durch geringere Energie- und Wartungskosten,
durch bequemes Laden zu Hause oder bei der Arbeit,
und durch weniger Ausgaben für überteuerte Tankstellen-Impulsartikel.

Genau diese Dreifachersparnis macht Elektroautos für Fahrer attraktiv – und für klassische Tankstellen zum Albtraum.

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