Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) und der Staatsanwaltschaft Frankfurt haben die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main sowie weitere Standorte in Berlin durchsucht. Hintergrund ist der Verdacht auf Verstöße gegen das Geldwäschegesetz. Die Maßnahmen erfolgten mit richterlichem Beschluss und zielten darauf ab, Unterlagen und elektronische Daten sicherzustellen, die für laufende Ermittlungen relevant sein könnten.

Nach bisherigen Informationen richtet sich das Verfahren gegen unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der Bank. Im Fokus steht der Verdacht, dass verdächtige Geldflüsse aus dem Ausland nicht oder nicht rechtzeitig gemeldet worden sein könnten. Konkret geht es um mögliche Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Firmenkonstruktionen, die mutmaßlich zur Verschleierung von Vermögenswerten genutzt wurden.

Besondere Brisanz erhält der Fall durch Berichte, wonach die Ermittlungen auch Bezüge zu dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch haben könnten. Der Milliardär unterliegt EU-Sanktionen, und es wird geprüft, ob Transaktionen in seinem Umfeld ordnungsgemäß geprüft und gemeldet wurden. Die Deutsche Bank selbst erklärte, man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, äußerte sich aber nicht zu Details des Verfahrens.

Der Zeitpunkt der Durchsuchungen ist auffällig: Sie erfolgten kurz vor der Veröffentlichung der Jahreszahlen des Instituts. Entsprechend sensibel reagierten auch die Märkte. Der Aktienkurs der Deutschen Bank geriet zeitweise unter Druck – ein Zeichen dafür, wie stark Compliance-Risiken das Vertrauen von Anlegern beeinflussen.

Der Fall reiht sich ein in eine lange Geschichte von Geldwäsche- und Compliance-Vorwürfen, mit denen die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren immer wieder konfrontiert war. Trotz umfangreicher Reformen und milliardenschwerer Investitionen in Kontrollsysteme zeigen die aktuellen Ermittlungen, dass der Kampf gegen Finanzkriminalität für Großbanken weiterhin ein Minenfeld bleibt.
Welche weiteren russischen Oligarchen womöglich ebenfalls betroffen sind, verschweigen die Ermittler bislang – aus ermittlungstaktischen Gründen. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Affäre wirft erneut grundlegende Fragen zur Wirksamkeit der Geldwäschekontrollen im internationalen Finanzsystem auf.
Quelle: Der Spiegel
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