Langes Single-Sein und Depressionen – was eine Schweizer Studie zeigt und wie die Transaktionsanalyse es erklärt

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

TA-Analytiker seit rund 25 Jahren (als Hobby).

Single zu sein gilt heute häufig als Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung.

Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Langzeitstudie der Universität Zürich, dass dauerhaftes Single-Sein – insbesondere im jungen Erwachsenenalter – mit psychischen Belastungen verbunden sein kann.

Ergebnisse der Studie

Untersucht wurden über 17.000 junge Erwachsene, die zu Beginn noch nie in einer festen Partnerschaft waren. Über mehrere Jahre hinweg wurden Lebenszufriedenheit, Einsamkeit und depressive Symptome erfasst.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Lebenszufriedenheit sinkt, je länger Menschen dauerhaft Single bleiben.
  • Einsamkeit nimmt deutlich zu – sie ist der stärkste Belastungsfaktor.
  • Depressive Symptome steigen moderat, jedoch ohne Automatismus.

Der Eintritt in eine erste Partnerschaft erhöht zwar die Lebenszufriedenheit und reduziert Einsamkeit, wirkt jedoch nicht automatisch antidepressiv.

Einordnung mit der Transaktionsanalyse

Die Transaktionsanalyse hilft zu verstehen, warum diese Effekte auftreten. Entscheidend ist nicht der Beziehungsstatus selbst, sondern die innere Bewertung desselben.

Im Eltern-Ich wirken häufig gesellschaftliche Normen wie „Bis 30 sollte man in einer Beziehung sein“. Das Kind-Ich reagiert darauf mit Rückzug, Selbstzweifeln oder Einsamkeitsgefühlen.

Das Erwachsenen-Ich kann diese Dynamik regulieren, indem es realistisch bewertet: Nähe, Anerkennung und emotionale Bindung sind menschliche Grundbedürfnisse – kein Zeichen von Schwäche.

Ich bin okay – du bist okay

Der zentrale Grundsatz der Transaktionsanalyse lautet: „Ich bin okay – du bist okay.“ Erst aus dieser inneren Haltung heraus können tragfähige Beziehungen entstehen – frei von Abwertung, Schuld oder Anpassungsdruck.

Resümee

Die Schweizer Studie zeigt statistische Zusammenhänge, keine Schicksale. Langes Single-Sein kann psychisch belasten, vor allem durch Einsamkeit. Die Transaktionsanalyse macht deutlich: Entscheidend ist nicht, ob jemand Single ist, sondern ob er sich innerlich als wertvoll erlebt.

Single zu sein ist kein Defizit. Dauerhafte Selbstabwertung hingegen schon.

Buchempfehlung: Thomas A. Harris – Ich bin okay – du bist okay

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