Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Die ablehnende Haltung von Donald Trump und einer politischen „USA 2.0“ gegenüber dem Mercosur-Abkommen ist kein Zufall. Sie folgt einer macht- und handelspolitischen Logik: Ein starkes Europa mit stabilen Handelsbeziehungen zu Südamerika widerspricht den Interessen einer Politik, die auf Abschottung, Druck-Deals und wirtschaftliche Dominanz setzt.
Die EU ist mit rund 450 Millionen Menschen der größte Binnenmarkt der Welt. Bereits heute liegt das jährliche Handelsvolumen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten bei über 100 Milliarden Euro. Ein Abkommen könnte diesen Wert deutlich erhöhen – für Industrie, Exporteure und Verbraucher auf beiden Seiten. Genau das macht Mercosur geopolitisch relevant.

Für die USA – insbesondere unter einem Trump-Kurs – bedeutet ein solches Abkommen vor allem Einflussverlust. Südamerika würde wirtschaftlich stärker an Europa gebunden, Abhängigkeiten von den USA könnten sinken. Gleichzeitig entstünde Konkurrenz in einzelnen Branchen, von Agrarprodukten über Maschinenbau bis hin zu Dienstleistungen.
Vor diesem Hintergrund ist auch die Haltung der AfD erklärbar. Sie präsentiert erneut die Linie von Trump: Ablehnung multilateraler Abkommen, EU-Skepsis, nationale Abschottung. Nach außen wird Mercosur als Bedrohung verkauft, tatsächlich werden Narrative bedient, die Europa schwächen sollen.

Unter der sachlichen Betrachtung wäre ein fair ausgestaltetes Mercosur-Abkommen für Europa und die beteiligten südamerikanischen Staaten grundsätzlich vorteilhaft – vorausgesetzt, Umwelt-, Sozial- und Arbeitsstandards sind verbindlich abgesichert.
Ein pragmatischer Ausweg aus der Blockade wäre ein anderer Ansatz gewesen: ein Mercosur-Abkommen auf Zeit, zum Beispiel auf drei Jahre. In dieser Phase hätte man reale Auswirkungen prüfen können. Wäre dagegen geklagt worden und hätte ein Gericht Teile kassiert, wäre die Laufzeit ohnehin ausgelaufen – in dieser Form wären die drei Jahre inzwischen vielleicht schon vorbei.

Hätte man nach drei Jahren festgestellt, dass das Abkommen sozial ungerecht ist oder Umweltschäden hervorruft, hätte man es schlicht nicht verlängern müssen. Genau deshalb ist nachvollziehbar, dass die Grünen und auch die Linke den Europäischen Gerichtshof einbeziehen wollen: um rechtlich festzulegen, welche ökologischen, sozialen und demokratischen Mindeststandards zwingend einzuhalten sind.
Mercosur ist damit nicht nur ein Handelsprojekt, sondern ein Machtfaktor. Und genau deshalb wird es von Trump, USA 2.0 und ihren politischen Verbündeten bekämpft.
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