Ein Beitrag von Cristian Mudure

Die europäische „digitale Souveränität“ hat letzte Woche in der Kategorie Etikettenschwindel einen neuen Meilenstein erreicht.
Nachdem LinkedIn glücklicherweise doch kein reines Wohlfühlbiotop ist und mein Post von letzter Woche zu einigen Diskussionen geführt hat, habe ich mir die AWS Struktur etwas genauer angeschaut.
Uns siehe da, laut Handelsregister ist die „AWS European Sovereign Cloud GmbH“ eine 100-%-Tochter der Amazon .com Inc., also eines US-amerikanischen Konzerns. (Bild: Unternehmensstruktur auf northdata)

Aber keine Sorge: man hat einfach „Sovereign“ in den GmbH-Namen geschrieben. Und wir wissen ja alle: In der IT ersetzt ein gut gewählter Firmenname zuverlässig Datenschutz, Rechtssysteme und Geopolitik.
Kommen wir zum juristischen Fun Fact des Tages: FISA 702. Dieses US-Gesetz erlaubt amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten von Nicht US-Bürgern, sofern diese bei US Unternehmen liegen:
- ohne individuellen Gerichtsbeschluss
- ohne Information der Betroffenen
- mit verpflichtender Kooperation der Unternehmen
Wichtiges Detail: Das gilt auch außerhalb der USA. Und auch dann, wenn eine deutsche GmbH dazwischengeschaltet ist.
Aber klar: Wenn man eine US-Tochter in Deutschland gründet und „European Sovereign“ draufschreibt, ist das Problem vermutlich gelöst. Vielleicht hätte man es gleich „Ultra Mega Super Sovereign GmbH“ nennen sollen.
Besonders spannend ist das Ganze in einer Zeit, in der politischer Druck, wirtschaftliche Abhängigkeiten und geopolitische Erpressung längst keine Zukunftsszenarien mehr sind, sondern tägliche Nachrichten.
Bei aller Liebe, liebe Amazon: Ich verstehe, dass ihr Geld verdienen wollt. Aber wollt ihr uns Europäer wirklich für komplett ahnungslos verkaufen?
Ich frage weiterhin für einen Kontinent: EU
#Amazon
#Digitale
#Souverenität
#OpenSource
#OhneMonounternehmen

