Eisiger Jänner, heiße Wahrheit: Warum Kälte den Klimawandel nicht widerlegt

Ein Beitrag von Olefs Marc

Wir erleben aktuell (Anfang Jänner 2026) eine für das heutige Klima ungewöhnlich kalte Phase.
Der Jänner liegt bislang rund –4,2 °C unter dem Mittel 1991–2020, begleitet von mehreren Eistagen in Folge (Tageshöchstwert < 0 °C).

Solche Wetterlagen fühlen sich nach „früher“ an – und werden daher oft als Argument gegen den Klimawandel herangezogen. Ein Blick auf die langfristigen Beobachtungsdaten zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Auswertung der Jahressummen der Eistage in allen österreichischen Landeshauptstädten seit 1961 macht den Unterschied zwischen Wetter und Klima deutlich: Die dünnen Linien stehen für einzelne Jahre (Wetter), die rote Linie für den langfristigen Trend (Klima).

Das Ergebnis ist eindeutig:
In allen Städten nimmt die Zahl der Eistage langfristig massiv ab. Die relative Abnahme beträgt – auf Basis des Klimatrends – je nach Stadt rund 77 bis 89 % (von den frühen 1960er-Jahren bis heute).

Kalte Phasen verschwinden also nicht vollständig. Aber sie werden seltener, kürzer und insgesamt deutlich weniger prägend für das Jahresmittel. Genau darin liegt der Kern der Debatte: Ein kalter Jänner widerlegt den Klimawandel nicht – er tritt auf einem deutlich wärmeren Ausgangsniveau auf.

Wichtige sektorale Auswirkungen dieser Entwicklung sind unter anderem:

1. Wintertourismus: deutlich geringere natürliche Schneesicherheit im Tiefland und in vielen Mittelgebirgslagen,
2. Energie: sinkender Heizenergiebedarf im Mittel, bei weiterhin hohen Lastspitzen während Kälteepisoden,
3. Ökosysteme & Landwirtschaft: weniger Frosttage verändern Vegetationszyklen, Überwinterung und Schädlingsdruck,
4. Gesundheit: klimatisch begünstigte Ausbreitung vektorbasierter Krankheiten (z. B. durch Zecken oder invasive Stechmücken),
5. Gesundheit: Kältetodesfälle nehmen langsamer ab als hitzebedingte Todesfälle zunehmen – Hitze wird zum dominierenden klimabezogenen Gesundheitsrisiko,
6. Infrastruktur: insgesamt weniger Frost-Tau-Wechsel in tiefen Lagen, aber weiterhin relevante Risiken bei Extremereignissen.

Resümee:
Kälteereignisse gehören weiterhin zu unserem Klima. Was sich ändert, ist ihre Häufigkeit, Dauer und Bedeutung im langfristigen Trend.

Quelle: GeoSphere Austria

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