Erbschaftsteuer als Sozialismus? Wie Milliardenerben ihre Privilegien verteidigen

Ein Beitrag von Daniel Mautz

Daniel Mautz

„Sozialismus ist, wenn Milliardenerben Steuern zahlen sollen.“
So klingt derzeit die Empörung, sobald in Deutschland über eine strengere Erbschaftsteuer gesprochen wird. Im Handelsblatt warnt eine Mittelstandsunternehmerin davor, die SPD wolle im Namen der Gerechtigkeit vor allem Erben bestrafen.

Vererbtes Vermögen sei meist Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit und bereits mehrfach besteuert. Eine höhere Erbschaftsteuer greife daher nicht den Ertrag, sondern die Substanz an – Maschinen statt Einkommen. Schon zehn Prozent könnten Nachfolgerinnen und Nachfolger in Schulden treiben oder zum Verkauf zwingen. Am Ende, so das bekannte Szenario, übernähmen chinesische Konzerne oder arabische Investoren deutsche Unternehmen. Sozialistinnen und Sozialisten, so der Vorwurf, nähmen Armut für alle in Kauf.

Das klingt dramatisch, ist aber vor allem praktisch. Es ist die alte Erzählung, nach der jede Begrenzung von Erbprivilegien automatisch den Mittelstand zerstört.

Gleichzeitig gilt: Ausgerechnet sehr große Betriebsvermögen werden heute oft durch Verschonungsregeln und Gestaltungsmöglichkeiten so niedrig besteuert, dass normale Lohnarbeit dagegen wie ein Hochsteuersatzexperiment wirkt. Leistung wird monatlich abgerechnet, Erbschaft wird optimiert.

Wer wirklich Familienunternehmen schützen will, hat einfache Hebel: hohe Freibeträge für normale Erbschaften, eine Belastung nur bei sehr großen Vermögen, lange Stundungsfristen und Zahlungen aus laufenden Erträgen statt aus der Substanz. Das Problem ist nicht die Idee einer Erbschaftsteuer, sondern die Schlupflöcher, die sie für sehr Reiche zu einem Optionalangebot machen.

Währenddessen läuft die Realität weiter: Investitionen fehlen, Infrastruktur bröckelt, die Klimakrise kostet – und die Rechnung soll erneut bei denen landen, die nichts erben. So bequem kann Ideologie sein.

Kommentar von Werner Hoffmann

Diese Haltung überrascht bei Natalie Mekelburger nicht. Sie ist Unternehmerin in dritter Generation und Gründungsmitglied von #R21. Es geht hier nicht nur ums Erben, sondern um das gesamte Steuersystem. Kapitaleinkünfte werden häufig mit rund 25 Prozent besteuert, während Arbeitseinkommen deutlich höher belastet wird.

R21 bezeichnet sich als Thinktank für neue bürgerliche Politik, der Freiheit, Eigenverantwortung und soziale Marktwirtschaft stärken will. Gleichzeitig wehrt man sich dort konsequent gegen jede ernsthafte Begrenzung großer Erbprivilegien. Bemerkenswert ist zudem, dass ein solcher Verein selbst öffentliche Fördermittel in Millionenhöhe erhält – politisch flankiert etwa durch Jens Spahn.

Das Problem ist nicht die Erbschaftsteuer. Das Problem sind die Ausnahmen, die sie für sehr Reiche faktisch freiwillig machen – während diejenigen, die nichts erben, weiter die Hauptlast tragen.

#R21 #Natalie_Mekelburger #Erbschaftsteuer #Steuergerechtigkeit #Vermögensungleichheit

Demokratie in Gefahr: Wie Donald Trump dem autoritären Umbau der USA näherkommt

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Werner Hoffmann.

Lange galt es als Übertreibung, doch inzwischen verdichten sich die Hinweise:

Donald Trump arbeitet systematisch daran, demokratische Prozesse in den USA auszuhöhlen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um rhetorische Angriffe auf Institutionen, sondern um konkrete Szenarien, in denen Wahlen delegitimiert, blockiert oder faktisch unmöglich gemacht werden könnten.

Besonders brisant ist die Frage, ob es Trump gelingen könnte, die Wahlen zum Repräsentantenhaus und zum Senat zu sabotieren – nicht offen, sondern perfide über rechtliche Grauzonen und institutionelle Blockaden.

Verfassungsrechtliche Sollbruchstellen

Die US-Verfassung garantiert regelmäßige Wahlen, doch sie enthält gefährliche Graubereiche. Nach Artikel I organisieren die Bundesstaaten die Kongresswahlen. Diese föderale Struktur kann politisch missbraucht werden – etwa durch gezielte Blockaden, Ressourcenentzug oder administrative Sabotage.

Der Ausnahmezustand als Machtinstrument

Ein zentrales Risiko liegt im Missbrauch eines nationalen Notstands. Zwar erlaubt kein Gesetz ausdrücklich die Aussetzung von Kongresswahlen. Doch eine faktische Verhinderung ist möglich: geschlossene Wahllokale, eingeschüchterte Wahlhelfer, chaotische Sicherheitslagen oder angebliche Bedrohungsszenarien.

Die Demokratie wird nicht offiziell abgeschafft – sie wird handlungsunfähig gemacht.

Verfassungszusätze als Einfallstor

Der 20. Zusatzartikel regelt Beginn und Ende von Amtszeiten. Kommt es zu chaotischen oder blockierten Wahlen, entstehen Machtlücken, die politisch instrumentalisiert werden können. Auch der 14. Zusatzartikel, eigentlich ein Schutzinstrument der Demokratie, wird zunehmend politisch umgedeutet – bis hin zur Delegitimierung politischer Gegner.

Alte Urteile, neue Tricks

Mehrere Entscheidungen des Supreme Court stärken die Rolle der Bundesstaaten bei Wahlregeln. In ihrer Gesamtheit eröffnen sie gefährliche Spielräume. Nicht ein einzelnes Urteil ist das Problem, sondern die strategische Kombination juristischer Grauzonen.

Der eigentliche Plan: Vertrauen zerstören

Am wirksamsten bleibt Trumps bewährte Methode: die systematische Zerstörung des Vertrauens in Wahlen. Permanente Betrugsvorwürfe, Desinformation, Einschüchterung von Wahlhelfern und Behörden bereiten den Boden für ein Szenario, in dem jede Wahl entweder gewonnen – oder als illegitim erklärt wird.

Resümee

Donald Trump muss die Demokratie nicht offiziell abschaffen. Es genügt, ihre Funktionsfähigkeit zu sabotieren. Die US-Verfassung setzt auf guten Willen – genau dieser fehlt.

Die größte Gefahr liegt in der schleichenden Normalisierung des Ausnahmezustands.

#Demokratie

#USA

#Trump

#Rechtsstaat

#Politik

error

Gefällt Dir der Blog-Demokratie? Einfach weiterempfehlen