Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Ich stelle bei mir auf
Linux Mint und Open Source um.
Die digitale Infrastruktur vieler Behörden wirkt modern, ist jedoch zugleich hochgradig verwundbar. Wer im Alltag nahezu vollständigg auf proprietäre Softwarelösungen setzt, begibt sich in eine riskante Abhängigkeit. Kommt es zu größeren Störungen, Cyberangriffen oder politischen Konflikten, steht nicht nur der Verwaltungsalltag still – im Ernstfall sind auch zentrale Leistungen für Bürgerinnen und Bürger gefährdet. Genau dieses Risiko rückt nun stärker in den Fokus: Große deutsche Sozialversicherer testen erstmals eine offene, herstellerunabhängige Arbeitsumgebung für Krisensituationen.

Im Mittelpunkt steht eine quelloffene Plattform, die als vollständiger digitaler Ersatzarbeitsplatz dienen soll, wenn zentrale IT-Systeme ausfallen oder nicht mehr zuverlässig nutzbar sind.

Beteiligt sind unter anderem die Deutsche Rentenversicherung Bund sowie die Bundesagentur für Arbeit, unterstützt von spezialisierten IT-Dienstleistern aus dem Sozialversicherungsbereich. Ziel ist es, die Arbeitsfähigkeit auch dann aufrechtzuerhalten, wenn etablierte Systeme kurzfristig nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die getestete Lösung vereint klassische Büro- und Kommunikationsfunktionen in einer browserbasierten Umgebung. Dazu zählen Textverarbeitung, Termin- und Aufgabenorganisation, E-Mail-Kommunikation, Projektarbeit sowie digitale Besprechungen. Da der Zugriff ausschließlich über den Browser erfolgt, sind keine lokalen Installationen oder spezielle Endgeräte erforderlich. Mitarbeitende können ortsunabhängig arbeiten – ein entscheidender Vorteil in Krisenlagen.

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf technischer Unabhängigkeit. Die beteiligten Organisationen betreiben ihre jeweiligen Systeme auf unterschiedlichen Cloud-Infrastrukturen. So wird gezielt geprüft, ob Zusammenarbeit auch dann funktioniert, wenn verschiedene Rechenzentren und Anbieter genutzt werden. Damit entsteht bewusst ein Gegenmodell zu geschlossenen Software-Ökosystemen, die Nutzer langfristig an einzelne Konzerne binden.

Das Projekt ist Teil einer staatlich geförderten Strategie zur Stärkung digitaler Souveränität. Öffentliche Einrichtungen sollen nicht nur funktional, sondern auch rechtlich und politisch unabhängiger werden. Gerade bei sensiblen Bereichen wie Rente, Arbeitsförderung und sozialen Leistungen geht es dabei nicht um Bequemlichkeit, sondern um Versorgungssicherheit.
Bewährt sich dieses Modell, könnte ein cloudbasierter Notfallarbeitsplatz künftig zum Standard für Behörden werden – nicht als Ersatz bestehender Systeme, sondern als Absicherung gegen Ausfälle, Abhängigkeiten und geopolitische Risiken. Die zentrale Botschaft ist eindeutig: Digitale Resilienz entsteht durch Offenheit, Vielfalt und Kontrolle über die eigene Infrastruktur.
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