Zwei Karrieren, ein Machtgefüge – Wie Katherina Reiche und Karl-Theodor zu Guttenberg Politik, Wirtschaft und Energie verknüpfen und warum das für uns alle teuer werden kann

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Was auf den ersten Blick wie eine private Beziehung zweier prominenter Persönlichkeiten wirkt, entfaltet bei genauerem Hinsehen eine politische und wirtschaftliche Tiefenschärfe, die weit über Boulevard hinausgeht.

Katherina Reiche (CDU) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stehen für zwei parallele Karrierewege, die sich über Jahre hinweg durch Politik, Lobbystrukturen, internationale Netzwerke und Energiewirtschaft gezogen haben – und nun zeitlich wie inhaltlich wieder in unmittelbarer Nähe staatlicher Macht zusammentreffen.

Der kritische Punkt ist dabei nicht ihre Beziehung. Entscheidend ist, woher beide kommen, in welchen Systemen sie sich bewegt haben und welche politischen Entscheidungen heute anstehen, bei denen genau diese Erfahrungen, Netzwerke und Denkmuster eine Rolle spielen – mit hohen finanziellen Risiken für Bürgerinnen, Bürger und öffentliche Haushalte.

Katherina Reiche: Von der Politik in die Energiewirtschaft – und zurück an die Schaltstelle der Macht

Katherina Reiche war viele Jahre Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag im Jahr 2015 wechselte sie nicht in den Rückzug, sondern direkt in jene Bereiche, in denen politische Entscheidungen zu wirtschaftlicher Realität werden.

Zunächst übernahm sie die Leitung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Dieser Verband vertritt Stadtwerke und kommunale Versorger – also Akteure, die zentrale Rollen bei Energie, Wasser, Netzen und Infrastruktur spielen. Wer hier führt, sitzt nicht am Rand, sondern mitten im Maschinenraum der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Danach folgte der nächste Schritt: Reiche wechselte zur Westenergie, einem großen Energie- und Infrastrukturanbieter aus der E.ON-Gruppe. Westenergie betreibt umfangreiche Strom- und Gasnetze, ist verantwortlich für Milliardeninvestitionen und profitiert unmittelbar von politischen Entscheidungen zu Netzausbau, Regulierung und Netzentgelten.

Parallel dazu war Reiche Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates. Auch hier geht es um nichts Geringeres als die Frage, wie Milliarden an Fördergeldern in neue Energieinfrastrukturen gelenkt werden, welche Technologien bevorzugt werden und welche Risiken der Staat übernimmt.

Seit Mai 2025 ist Reiche nun Bundesministerin für Wirtschaft und Energie. Damit entscheidet sie heute über genau jene Politikfelder, in denen sie zuvor als Verbands- und Konzernmanagerin tätig war: Netze, Gas, Wasserstoff, Industriepolitik. Diese Rückkehr an die politische Schaltstelle ist rechtlich zulässig – politisch aber hochsensibel.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Vom Ministeramt in transatlantische Netzwerke

Karl-Theodor zu Guttenberg zog sich nach dem Ende seiner politischen Karriere nicht ins Private zurück. Er verlagerte seinen Wirkungsschwerpunkt in die USA und baute dort ein internationales Beratungs- und Netzwerkprofil auf, das ihn an die Schnittstellen von Geopolitik, Wirtschaft und Kommunikation führte.

Er arbeitete mit dem Center for Strategic and International Studies (CSIS), einem der einflussreichsten sicherheits- und geopolitischen Thinktanks in Washington. CSIS ist bekannt für seine Nähe zu Militär-, Industrie- und Energiekonzernen und für eine Denkweise, in der Energiesicherheit häufig stärker gewichtet wird als Klimaschutz oder Transformationsgeschwindigkeit.

Parallel gründete zu Guttenberg die Beratungsfirma Spitzberg Partners in New York. Solche Beratungsstrukturen agieren typischerweise an der Schnittstelle von Politik, Konzernen, Investoren und internationalen Interessen. Hinzu kamen Tätigkeiten in internationalen Beiräten und Aufsichtsgremien, unter anderem im Rohstoff- und Bergbauumfeld.

Es gibt keinen belegten Nachweis, dass zu Guttenberg persönlich als direkter Öl- oder Gaslobbyist tätig war. Aber er bewegte sich über Jahre in Netzwerken und Institutionen, die nachweislich von fossilen Konzernen mitfinanziert werden und in denen fossile Energieträger als geopolitisch notwendig legitimiert werden.

Der gemeinsame Nenner: Energie als Macht- und Geschäftsmodell

Ki-generiert.
Die Zwei von der Gastanksgelke.

Die Parallelen zwischen Reiche und zu Guttenberg liegen nicht im Detail einzelner Stationen, sondern im System:

Beide haben Politik gemacht, beide wechselten anschließend in wirtschafts- und lobbynahe Strukturen, beide bewegten sich in Energie-, Infrastruktur- und Sicherheitslogiken, beide sind heute wieder nah an politischer Entscheidungsgewalt.

Genau hier beginnt die politische Brisanz – nicht moralisch, sondern strukturell.

Warum das für uns alle teuer werden kann

Gaskraftwerke und fossile Lock-in-Effekte: Der geplante Neubau von Gaskraftwerken mit staatlicher Absicherung birgt das Risiko langfristiger Zahlungsverpflichtungen, fossiler Abhängigkeiten und späterer Umrüst- oder Stilllegungskosten, die am Ende politisch und finanziell sozialisiert werden.

Netze und Netzentgelte: Der Ausbau von Strom- und Gasnetzen ist notwendig, aber teuer. Prioritäten entscheiden darüber, ob die Energiewende beschleunigt oder verzögert wird. Die Kosten landen am Ende nicht bei Konzernen, sondern bei Haushalten und Mittelstand.

Wasserstoff als Subventionsfeld: Wasserstoff ist politisch gewollt und hoch subventioniert. Doch wenn Fördergelder in Projekte fließen, die technisch oder wirtschaftlich nicht tragfähig sind, entstehen dauerhafte Kosten ohne nachhaltigen Nutzen.

Das eigentliche Risiko: Denkweisen statt Personen

Der Kern der Problematik ist nicht, dass zwei Menschen Karrieren gemacht haben oder privat verbunden sind. Der Kern ist, dass sich politische Entscheidungen zunehmend an Denklogiken orientieren, die aus Konzernstrategien, Sicherheitsdenken und geopolitischen Interessen stammen – und weniger aus Klimazielen, sozialer Fairness und langfristiger Kostenverantwortung.

Wenn genau diese Denkweisen Regierungshandeln prägen, werden Fehlentscheidungen selten von Investoren getragen. Die Rechnung landet fast immer bei der Allgemeinheit – schleichend, über Jahre, kaum sichtbar, aber wirksam.

Resümee

Katherina Reiche und Karl-Theodor zu Guttenberg stehen exemplarisch für eine Entwicklung, in der sich Politik, Lobby, Wirtschaft und internationale Netzwerke immer enger verzahnen. Diese Nähe mag Erfahrung und Effizienz versprechen. Sie birgt aber erhebliche Risiken, wenn Transparenz, klare Trennlinien und öffentliche Kontrolle fehlen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wer mit wem zusammen ist. Die entscheidende Frage lautet: Welche Interessen prägen die großen energie- und industriepolitischen Entscheidungen unserer Zeit – und wer trägt am Ende die Kosten?

#Guttenberg #KatherinaReiche #Energiewende #Lobbyismus #Gaspolitik

Katherina Reiches „Energiewende“-Gutachten: Manipuliert, weichgespült – und am Ende gewinnt die Gaslobby

Ein Beitrag von

Werner Hoffmann.
– Demokratie der Mitte, weil Extremflügel das Land zerstören.-

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Dieses „Monitoring“ zur Energiewende wird öffentlich als nüchterne Bestandsaufnahme verkauft – als angeblich wissenschaftlich neutraler Kompass.

Doch genau dieser Anspruch zerbröselt, sobald man sich anschaut, wie das Papier entstanden ist, wie Aussagen „nachgeschärft“ wurden und welche politischen Schlussfolgerungen Katherina Reiche daraus ableitet.

Im Kern geht es nicht nur um Zahlen. Es geht um Deutungshoheit:

Ist die Energiewende auf Kurs – oder ist sie „zu teuer“, „zu schnell“, „zu ambitioniert“? Wer die Deutung bestimmt, bestimmt am Ende auch, ob Deutschland weiter konsequent auf Erneuerbare, Netze, Speicher und Effizienz setzt – oder ob der Kurs Richtung neue Gasabhängigkeit gedreht wird.

1) Der zentrale Vorwurf: Einflussnahme statt Unabhängigkeit
Laut Recherchen und Vorwürfen von Greenpeace sowie Berichten über nachträgliche Änderungen am Text steht der Verdacht im Raum, dass Inhalte nicht einfach „redigiert“, sondern inhaltlich entschärft wurden – also kritische Passagen weicher, Aussagen weniger eindeutig, Bewertungen politisch anschlussfähiger gemacht. Wenn ein Monitoringbericht nachträglich an entscheidenden Stellen umformuliert wird, ist das keine Kleinigkeit, sondern ein Angriff auf die Glaubwürdigkeit des gesamten Prozesses.

Was daran so brisant ist:
Ein Monitoring soll Vertrauen schaffen. Wenn aber der Eindruck entsteht, dass Formulierungen so zurechtgebogen werden, dass sie die gewünschte politische Erzählung stützen, dann ist das Ergebnis kein Kompass – sondern PR mit Fußnoten.

2) Die „Kostenkeule“ als politischer Trick
Natürlich kostet die Energiewende Geld. Aber die Frage ist: Welche Kosten werden betont – und welche systematisch ausgeblendet?

Typische Verzerrungen, die in der Debatte immer wieder auftauchen:

  • Es wird so getan, als wären Erneuerbare „Luxus“, während fossile Energie als „Realismus“ gilt,
  • Netz- und Systemkosten werden den Erneuerbaren zugerechnet, aber die Kosten fossiler Abhängigkeit (Importe, Preisschocks, geopolitische Risiken) werden klein geredet,
  • Klimafolgekosten tauchen in vielen politischen Ableitungen praktisch nicht auf – obwohl sie real sind und jedes Jahr steigen,
  • Versorgungssicherheit wird so gerahmt, als ginge sie nur mit neuen fossilen Kapazitäten – statt mit Mix aus Speicher, Flexibilität, Netzen, Demand-Side-Management und gezielter Reserve.

Die Pointe: Wer nur auf „Kosten“ starrt, ohne ehrlich die Alternativkosten zu nennen, führt Laien in die Irre. Dann wirkt die Energiewende automatisch wie ein Problem – und Gas automatisch wie die Lösung. Genau diese Schieflage ist politisch nützlich.

3) Die problematische Rolle von Katherina Reiche
Katherina Reiche wird nicht zufällig von Kritiker:innen als „Gas-nah“ gesehen. Es geht um den Eindruck eines strukturellen Interessenkonflikts: Wer aus der Energiewirtschaft kommt – insbesondere aus Bereichen, die direkt von Gasnetzen, Gasabsatz oder Gasinfrastruktur profitieren – muss doppelt transparent und doppelt strikt sein, wenn er die Regeln für die Zukunft schreibt.

Was hier aber wie ein Muster wirkt:
Nicht „Technologieoffenheit“, sondern Türöffner-Politik für Gas. Nicht „Neutralität“, sondern Framing gegen Tempo und Verbindlichkeit bei Wind und Solar. Nicht „bessere Planung“, sondern das politische Ausbremsen unter dem Etikett „Realismus“.

Hart gesagt: Wenn ein Monitoringbericht dazu benutzt wird, den Ausbau der Erneuerbaren politisch kleinzureden und parallel neue fossile Pfadabhängigkeiten zu rechtfertigen, dann ist das keine sachliche Korrektur. Das ist ein Kurswechsel – und der riecht nach Lobby.

4) Warum das für Laien wichtig ist
Viele Menschen hören „Gutachten“ und denken: „Aha, Wissenschaft.“ Doch in der Politik gilt oft: Ein Gutachten ist so neutral wie sein Auftrag, sein Framing und seine Bearbeitung.

Die entscheidende Laien-Übersetzung lautet:

Wenn die Ministerin am Ende sagen kann: „Die Wissenschaft bestätigt meinen Kurs“, obwohl an zentralen Stellen der Text verändert, weichgespült oder politisch passend gemacht wurde, dann wird Wissenschaft als Schutzschild missbraucht. Und das ist brandgefährlich – für Vertrauen, Demokratie und Klimapolitik.


Eine kurze Fabel: „Die Müllermeisterin und das Thermometer“

In einem Dorf gab es eine Müllermeisterin. Jeden Morgen hing am Rathaus ein Thermometer, das allen zeigte, wie kalt es wirklich war. Eines Winters wurde es streng – und die Leute begannen, ihre Häuser besser zu dämmen, Holz zu sparen und gemeinsam Vorräte zu organisieren.

Die Müllermeisterin aber verkaufte Kohle und wollte, dass die Menschen weiter frieren – denn dann kaufte man mehr.

Also ging sie nachts zum Rathaus, tauschte das Thermometer aus und hing eins hin, das immer ein paar Grad wärmer anzeigte. Am nächsten Tag sagte sie: „Seht ihr? So schlimm ist es nicht. Ihr übertreibt mit euren Maßnahmen.“

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Die Leute lockerten ihre Anstrengungen. Einige dachten sogar, die Dämmung sei „zu teuer“. Doch der Winter blieb hart. Und als die Kälte richtig zuschlug, waren die Vorräte knapp – aber die Müllermeisterin hatte gut verdient.

Die Moral: Wer Messinstrumente manipuliert oder weichzeichnet, verhindert nicht die Realität – er sorgt nur dafür, dass alle zu spät reagieren.


Resümee
Die Kritik an diesem Energiewende-Monitoring dreht sich nicht um eine Kleinigkeit, sondern um die Grundfrage, ob ein zentraler Bericht unabhängig ist – oder ob er so bearbeitet wurde, dass er eine politische Agenda stützt. Wenn Katherina Reiche mit einem solchen Papier eine neue Gas-Logik begründet, dann ist das nicht „pragmatisch“, sondern riskant: für Klimaziele, für die Strompreise der Zukunft und für unsere Unabhängigkeit.

Und genau deshalb braucht es jetzt: vollständige Transparenz über Änderungen, klare Verantwortlichkeiten, Veröffentlichung der Bearbeitungsschritte – und eine Energiepolitik, die nicht den Eindruck erweckt, als würde sie am langen Ende für die Gaslobby schreiben.

#Gaslobby #KatherinaReiche #CDU #Energiewende #Lobbyismus


Quellen / Weiterführendes (zur Einordnung und Kritik):

  • https://taz.de/Umstrittenes-Gutachten-zur-Energiewende/!6141505/
  • https://taz.de/Umstrittenes-Gutachten-zur-Energiewende/!6138830/
  • https://taz.de/Kritik-an-Katherina-Reiche/!6103132/
  • https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/energiewende-monitoringbericht-und-reiche-erhalten-lob-und-tadel/
  • https://www.campact.de/klima/energiewende-retten-lobby-ministerin-reiche-stoppen/
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