Klimaschutz in der Krise: Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) darf nicht zum Zertifikate-Sparschwein werden!

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Werner Hoffmann – Die Welt gibt es nur einmal….. Die Erde kann auch ohne uns Menschen bestehen… eben dann wieder mit Kleinlebewesen und ohne Menschen

Ende August 2025 wurde öffentlich, dass die Bundesregierung erwägt, mögliche Zielverfehlungen beim Klimaschutz durch den Zukauf von CO₂-Zertifikaten zu kompensieren – und zwar ausgerechnet mit Geldern des Klima- und Transformationsfonds (KTF).

Genau jener Topf, der eigentlich die Transformation finanzieren soll, würde damit zur Feuerwehr für politische Versäumnisse umfunktioniert.

Worum geht es konkret?

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung plant das Finanzministerium, absehbare Lücken zur Erreichung der deutschen Klimaziele durch den Kauf internationaler Zertifikate zu schließen – bezahlt aus dem KTF.

DPA-Meldungen und weitere Medienberichte bestätigen diese Debatte.

Der Preis des Aufschiebens

Der Expertenrat für Klimafragen geht davon aus, dass Deutschland bis 2030 eine Lücke von rund 224 Millionen Tonnen CO₂ aufreißen könnte.

Bei einem realistischen Preis von etwa 100 €/t ergäbe das Gesamtkosten von rund 22 Milliarden Euro – im Schnitt deutlich über 4 Mrd. €/Jahr in den Jahren 2026–2030.

Führende Stimmen aus der Klimapolitik warnen deshalb vor einem Teufelskreis:

Statt Emissionen zu senken, würden Steuermittel dafür eingesetzt, Versäumnisse künftig teuer zu kompensieren.

Warum diese Idee ein klimapolitischer Fehler wäre

  • Fehlanreize: Wenn Zielverfehlungen „eingekauft“ werden können, sinkt der Druck, in Sektoren wie Verkehr und Gebäude endlich wirksame Maßnahmen umzusetzen,
  • Verdrängung echter Investitionen: Jeder Euro für Zertifikate fehlt beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei Netzen, Speichern, Effizienz und industrieller Dekarbonisierung,
  • Haushaltspolitische Schieflage: Der KTF wurde als Transformationsmotor geschaffen – nicht als Ausfallbürge für verfehlte Politikziele,
  • Europäische Verpflichtungen bleiben: Die EU-Lastenteilungsverordnung (ESR) verlangt reale Minderung oder teuren Ausgleich. Dauerhaft Zertifikate zuzukaufen ist die teuerste und wirkungsschwächste „Lösung“,
  • Glaubwürdigkeitsrisiko: Deutschland kann sich nicht glaubhaft als Vorreiter inszenieren, wenn es Klimaziele mit Geld statt mit Politik erreicht.

Was jetzt passieren muss

  • Sektorenverantwortung schärfen: Ministerien, die ihre Ziele reißen, müssen innerhalb ihrer Budgets nachsteuern – statt den KTF zu belasten,
  • Priorität auf wirksame Maßnahmen: Schnellere Planungen, mehr Kapazität bei Netzen, Speicherhochlauf, Wärmewende im Bestand, Verkehrswende mit Angebot + Preissignalen,
  • KTF zweckrein halten: Mittel des KTF gehören in Transformations-Investitionen – nicht in das Stopfen politischer Lücken durch Offsets,
  • Transparenz & Monitoring: Ein öffentliches KTF-Dashboard sollte zeigen, wie jeder Euro Emissionen spart – messbar, überprüfbar, jährlich fortgeschrieben.

Resümee

Zertifikate können Notnagel sein, aber niemals Strategie.

Wer jetzt den KTF für CO₂-Einkäufe zweckentfremdet, spart heute scheinbar – und zahlt morgen doppelt: in Euro und in verlorener Zeit. Deutschland braucht eine Politik, die Emissionen tatsächlich senkt – nicht deren Kosten verwaltet.

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Gefahr für die Demokratie: AfD bekommt neue Munition

Die Diskussion um den Zukauf von CO₂-Zertifikaten birgt nicht nur klimapolitische, sondern auch politische Risiken. Denn damit öffnet man der AfD erneut die Tür für ihre populistischen Parolen. Die Rechtsextremen werden sofort behaupten: „Deutschland zahlt Milliarden an die EU für Klimaschutz“. Genau dieses verzerrte Narrativ ist gefährlich.

Die AfD versucht schon lange, die EU als Kostenfaktor darzustellen und sie so in Misskredit zu bringen. Jede weitere finanzielle Verpflichtung gegenüber Brüssel wird von ihr zum Vorwand genommen, um ihren alten Traum – den Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union – wieder stärker zu propagieren.

Doch eines muss klar sein: Ohne EU-Klimapolitik wäre Deutschland noch viel schwächer aufgestellt.

Zertifikate sind kein „EU-Tribut“, sondern ein Instrument, das gemeinsame Ziele sicherstellen soll. Wer hier den Ausstieg aus der EU fordert, verfolgt nicht das Wohl des Landes, sondern ein gefährliches Spaltungsprojekt.

Die Ampel-Nachfolge-Bundesregierung verstärkt das Problem

Die sogenannte „Nachfolgeregierung der Ampel – CDU, CSU und SPD2.0“ torpediert mit dieser Politik nicht nur den Umwelt- und Klimaschutz, sondern sie liefert der AfD auch noch frisches Futter auf dem Silbertablett. Anstatt klare, zukunftsweisende Maßnahmen durchzusetzen, wählt man den bequemeren Weg – und öffnet gleichzeitig den Populisten die Bühne für ihre Parolen.

Es ist, als würde man ein Feuer nicht mit Wasser, sondern mit Benzin löschen wollen. Ein durchschaubarer Fehler, der das Problem nur noch größer macht.

Ein einfaches Beispiel, das jeder versteht

Man stelle sich vor: Eine Familie spart jahrelang, um das Haus zu renovieren und klimafest zu machen. Doch statt das Geld in neue Fenster oder eine Dämmung zu investieren, kaufen sie jedes Jahr teure Bußgeldmarken, weil das Haus immer wieder gegen Bauauflagen verstößt.

Das ist exakt das gleiche Prinzip: Kurzfristig „gelöst“, langfristig ruinös. Und die Nachbarn – in diesem Fall die AfD – lachen sich ins Fäustchen, weil sie daraus Kapital schlagen können.

Symbolbild: Ein Haus mit einem großen Loch im Dach. Statt das Dach zu reparieren, klebt jemand teure Strafzettel darauf. Daneben steht eine grinsende Figur mit AfD-Logo, die sich darüber freut.

#AfD #EU #Demokratie #Ampel #Klimapolitik

Quellen (Auswahl)

#Klimaschutz #KTF #CO2Zertifikate #Energiewende #Haushalt

Rohstoff-Paradies Norwegen vs. Rohstoff-Debakel Deutschland – warum ein Land reich und das andere verschuldet ist!

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Werner Hoffmann

Vom armen Agrarstaat zum reichsten Land der Welt pro Kopf

Um 1870 war Norwegen ein bitterarmes Land. Die meisten Menschen lebten von Landwirtschaft, Fischerei und Holz. Viele wanderten aus, weil sie zuhause keine Perspektive sahen. Deutschland dagegen war zur selben Zeit im Aufschwung: Nach dem Sieg über Frankreich 1871 flossen Reparationsmilliarden ins Kaiserreich, die Kohle- und Stahlindustrie boomte, das Ruhrgebiet wurde zum Motor der Industrialisierung.

Doch während Deutschland seine Rohstoffe meist privatwirtschaftlich ausbeutete, entschied sich Norwegen früh für ein anderes Modell:

Rohstoffe gehören der Allgemeinheit.

Schon bei der Nutzung der Wasserkraft führte Norwegen die Heimfallregel ein – jede Konzession für ein Kraftwerk lief nach Jahrzehnten aus und die Anlage fiel automatisch an den Staat zurück.

So blieb die wichtigste Ressource – Wasser – dauerhaft in öffentlicher Hand.

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Deutschland: Rohstoffe ja – Staatsvermögen nein

  • Braunkohle – weltweit größte Vorkommen, bis heute gefördert. Gewinne flossen an Konzerne wie RWE oder LEAG. Der Staat kassierte nur Steuern, die Umweltkosten bleiben bei der Allgemeinheit,
  • Steinkohle – Ruhrgebiet und Saarland machten Deutschland groß, später unrentabel, Jahrzehnte durch Milliarden-Subventionen am Leben gehalten. Am Ende mehr Kosten als Nutzen für den Staat,
  • Erdöl und Erdgas – kleinere Vorkommen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein. Abbau durch Wintershall Dea, ExxonMobil & Co. Staatseinnahmen marginal. Kein Vergleich zu Norwegen,
  • Kali- und Steinsalz – bedeutende Lagerstätten, etwa in Hessen, Thüringen und Niedersachsen. Gewinne bei K+S AG, Staat kassiert nur Steuern,
  • Metalle (Kupfer, Zink, Blei, Eisen, Uran) – Vorkommen im Harz, Siegerland, Erzgebirge. Uranförderung in der DDR, riesige Altlasten. Vermögensaufbau? Fehlanzeige,
  • Nichtmetallische Rohstoffe (Sand, Kies, Kalk, Ton, Quarzsand, Gips) – reichlich vorhanden, unersetzlich für Bauindustrie. Abbau durch Privatunternehmen, Einnahmen für Staat minimal,
  • Seltene Erden und Lithium – kleinere Vorkommen im Erzgebirge, noch kaum erschlossen. Strategischer Plan? Bisher nicht.

Das Ergebnis:

Deutschland hatte enorme Ressourcen, doch Gewinne versickerten in privaten Taschen oder wurden durch Subventionen und Umweltschäden wieder vernichtet.

Ein Staatsfonds wie in Norwegen? Nie aufgebaut.

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Norwegen: Energie als Gemeingut – Vermögen für alle

Norwegen nutzte seine natürlichen Ressourcen ganz anders:

  • Wasser – ab den 1880ern Elektrizität durch Wasserkraft, ab 1909 Heimfallregel: Kraftwerke dürfen privat betrieben werden, fallen aber nach Ablauf der Konzession zurück an den Staat. Damit blieb die wichtigste Energiequelle dauerhaft Allgemeingut,
  • Öl und Gas – ab den 1960ern große Funde in der Nordsee. Der Staat gründete Equinor (früher Statoil) und sicherte sich hohe Fördersteuern. Gewinne flossen nicht in den laufenden Haushalt, sondern ab 1990 in den Government Pension Fund Global,
  • Staatsfonds – heute mit rund 1,4 Billionen Euro der größte der Welt. Nur 3 % Rendite dürfen jährlich für den Staatshaushalt genutzt werden. Der Rest bleibt unangetastet und wächst für künftige Generationen.

Das Ergebnis:

Jeder Norweger hat rechnerisch über 300.000 Euro Staatsvermögen, während in Deutschland auf jeden Bürger etwa 31.000 Euro Schulden entfallen.

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Der entscheidende Unterschied

Es ist kein Zufall, sondern eine Frage der politischen Entscheidung:

  • Deutschland: Rohstoffe in privater Hand, Gewinne privatisiert, Kosten sozialisiert,
  • Norwegen: Rohstoffe als Allgemeingut, Gewinne in Staatsfonds, Vermögen für alle.

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Norwegen ist kein Sozialismus – sondern Staatsvernunft

Wichtig ist zu betonen:

Norwegen ist keine sozialistische Planwirtschaft.

Es ist eine liberale Marktwirtschaft mit innovativen Unternehmen, starkem Export und internationalem Wettbewerb.

Der Unterschied liegt nur hier:

  • Öl, Gas und Wasser sind Gemeingut der Nation,
  • Der Staat verwaltet diese Ressourcen treuhänderisch für alle Bürger,
  • Gewinne fließen in den Fonds – nicht in private Taschen.

Das ist keine Ideologie, sondern schlicht ökonomische Vernunft.

Während Deutschland trotz Kohlesegen verschuldet ist, hat Norwegen durch eine kluge Ressourcenpolitik den Weg in den Wohlstand aller Bürger gefunden.

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