Mercosur als Vorwand Teil 3 – Wie BILD und WELT Europa systematisch gegeneinander ausspielen

Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Die Berichterstattung von BILD und WELT zum Mercosur-Abkommen ist kein Einzelfall und kein Ausrutscher. Sie folgt einem seit Jahren erkennbaren Muster: Europäische Politik wird nicht erklärt, sondern emotionalisiert – und regelmäßig gegen Deutschland ausgespielt. Das Ziel ist nicht Information, sondern Polarisierung.

Auffällig ist dabei die wiederkehrende Konstruktion eines Gegners. Nicht konkrete politische Akteure werden kritisiert, sondern „die EU“ als anonyme, ferne Macht. Entscheidungen des EU-Parlaments erscheinen so nicht als Ergebnis demokratischer Aushandlung, sondern als Angriff auf nationale Interessen. Dass Deutschland selbst zentraler Teil dieser Entscheidungsprozesse ist, bleibt konsequent unerwähnt.

Gerade beim Mercosur-Abkommen wird diese Verzerrung besonders deutlich. Die notwendige juristische Prüfung, die Frage der Zuständigkeiten, Umweltauflagen, Sozialstandards und die Rolle nationaler Parlamente werden medial auf ein simples Schlagwort reduziert: „Klatsche für Deutschland“. Damit wird suggeriert, demokratische Kontrolle sei gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Schaden.

Diese Logik ist gefährlich. Sie delegitimiert demokratische Verfahren und stellt sorgfältige Prüfung als Schwäche dar. Wer parlamentarische Verzögerung als Sabotage framed, vermittelt unterschwellig: Demokratie steht dem „Erfolg“ im Weg. Das ist kein Zufall, sondern Teil eines marktradikalen und EU-skeptischen Weltbildes.

Hinzu kommt eine bewusste emotionale Zuspitzung. Begriffe wie Niederlage, Klatsche oder Versagen erzeugen Empörung – nicht Verständnis. Die Leserinnen und Leser sollen nicht nachvollziehen, sondern sich ärgern. Und dieser Ärger richtet sich fast immer gegen Europa, nie gegen nationale Regierungen oder wirtschaftliche Interessengruppen.

So wird das Mercosur-Abkommen zum Vehikel einer größeren Erzählung: Europa als Problem, nationale Abschottung als Lösung. Dass genau diese Haltung langfristig Deutschland wirtschaftlich und politisch schwächen würde, bleibt außen vor. Differenzierung stört das Narrativ.

Teil drei macht damit deutlich: Die Berichterstattung von BILD und WELT ist keine neutrale Kritik an EU-Politik. Sie ist Teil einer systematischen Spaltung zwischen Deutschland und Europa, getragen von Vereinfachung, Emotionalisierung und bewusster Auslassung zentraler Fakten.

Wer Europa kritisieren will, darf das tun. Wer aber regelmäßig Demokratie diskreditiert, um Auflage und Klicks zu erzeugen, schwächt nicht Brüssel – sondern das Vertrauen in politische Vernunft insgesamt.

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