Ein Beitrag von Werner Hoffmann

Ich gehöre zu den Menschen, die Erbschaftsteuer zahlen müssen. Das ärgert mich nicht. Wer erbt, erhält Vermögen ohne eigene Leistung – dafür Steuern zu zahlen ist legitim.
Was mich jedoch wütend macht, ist die Ungleichbehandlung, mit der andere sich dieser Steuer nahezu vollständig entziehen – ganz legal.
Denn plötzlich ist das Erbe kein Privatvermögen mehr, sondern „Betriebsvermögen“.
Und als solches gelten dann Kunstsammlungen, Bargeld, Beteiligungen oder Holding-Konstrukte. Das ist keine Grauzone – das ist organisierte Ungerechtigkeit mit amtlichem Stempel.

Noch absurder ist die Lage bei der Vermögensteuer. Sie wurde nicht abgeschafft, sondern nur ausgesetzt, angeblich um sie neu zu regeln. Der eigentliche Hintergrund:
Das Bundesverfassungsgericht hielt sie nicht für zu hoch, sondern für zu niedrig.
Und was folgte? Nichts.
Seit der Zeit von Helmut Kohl ist sie faktisch tot – nicht aus rechtlichen, sondern aus politischen Gründen.
Auch bei den Kapitalerträgen zeigt sich die Schieflage deutlich.
Arbeitseinkommen wird mit bis zu 45 % besteuert.
Ein Millionär, der ausschließlich von Kapitalerträgen lebt? 25 %. Punkt.

Dabei ließe sich Fairness einfach herstellen:
Ein Freibetrag von etwa 50.000 Euro pro Person und Jahr auf Kapitalerträge würde die private Altersvorsorge normaler Bürger steuerfrei halten.
Erst darüber hinaus müssten hohe Kapitalerträge leistungsbezogen besteuert werden.
Mit diesen Mehreinnahmen ließe sich die Einkommensteuer senken, während Pflege, Krankenversicherung, Renten und soziale Leistungen spürbar verbessert würden.
Es geht nicht um Neid – es geht um Entlastung von Arbeit und Stabilisierung des Sozialstaats.

Selbst die 25 % werden häufig noch weiter gedrückt:
über ausländische Firmenkonstruktionen, „Verwaltungsgebühren“ und formale Geschäftsführermodelle.
Eine jährliche Geschäftsführertagung im Ausland – natürlich steuerlich absetzbar.
Das ist kein Unternehmertum.
Das ist Steuervermeidung mit Excel und Bordkarte.
Und die entscheidende politische Frage lautet:
Welche Parteien blockieren diese notwendigen Veränderungen?
CDU, CSU, FDP, AfD und die Freien Wähler.

Die Konsequenz ist klar:
Die Kapitalertragsteuer muss dem individuellen Steuersatz unterliegen –
mit einem fairen Freibetrag für Vorsorge
und ohne Sonderrechte für Vermögende.
Alles andere schützt Reichtum, belastet Arbeit
und zementiert Ungleichheit.









































